08.12.2016

SHEEGO KURVENSTARS 2017 Hayley Hasselhoff: "Mode kann unsere Denkweise ändern"

Hayley Hasselhoff mit Star-Fotograf Kristian Schuller vor dem Titelblatt des sheego Kurvenstars Kalenders.

Foto: vierfotografen.de

Hayley Hasselhoff mit Star-Fotograf Kristian Schuller vor dem Titelblatt des sheego Kurvenstars Kalenders.

Wir trafen Hayley Hasselhoff am Set des Fotoshootings für den Kalender der sheego Kurvenstars und sprachen mit dem Plussize Model über ihre ganz persönliche Sicht auf die Modeindustrie.

 

bildderfrau.de: Hallo Hayley! Danke, dass du dir die Zeit genommen hast mit uns zu sprechen. Wie würdest du deine Kindheit beschreiben und wie bist du in der Modeindustrie gelandet?

Hayley Hasselhoff: Ich wusste immer, dass ich Schauspielerin werden möchte. Das war schon von Kindheit an ein großer Wunsch von mir. Zum Modeln kam ich ehrlich gesagt rein durch Zufall. Als ich 14 Jahre alt war, hat der Pressesprecher meines Vaters den Vorschlag, dass ich als Plussize Model arbeiten könnte.

Er hatte einen Kontakt zu Ford Models (Anm. d. Red. eine weltweit renommierte Modelagentur) und organisierte ein Meeting. Ich beschloss hinzugehen und wurde prompt unter Vertrag genommen und bekam meinen ersten Job.

Das Interessante am Modeln ist für mich, dass es sozusagen eine Form des Schauspielens ist. Man versucht mit seinem Körper und mit Bewegungen das auszudrücken, was die Marke kommunizieren will und wofür sie steht. Deshalb fühlte sich das Modeln von Anfang an sehr vertraut für mich an.

Es war nur eine etwas andere Art zu schauspielen. Von da an nahm die Reise ihren Lauf und ich bin nach wie vor auch noch Schauspielerin, aber ich bin besonders stolz darauf auch Model zu sein, und dass ich heute mit Sheego hier bin.

Wie hast du die Schule mit deiner Arbeit als Model vereinbart?

Als ich zur Highschool ging, hatte ich sehr viele Modeljobs. Das führte dazu, dass ich Privatunterricht nahm und mit zehn anderen Kindern in der Klasse war. Und ich hatte meinen Abschluss vorgezogen und beendete meine Ausbildung mit 16. Danach wollte ich ursprünglich auf ein College gehen und Modedesign studieren, aber ein großes Angebot von dem TV-Sender ABC für die Serie "Huge" kam dazwischen.

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Wenn du an das Thema Ruhm denkst: Wie fühlt es sich an in deiner Haut zu sein?

Ich mag dieses Wort nicht. Ich denke für mich ... (denkt). Ich bin ja in diesem Business aufgewachsen. Deshalb bin ich der Meinung, dass ich alle Seiten dieses Business kenne. Selbst wenn ich mich dagegen entschieden hätte selbst in dieser Branche zu arbeiten, habe ich sie durch meine Eltern von klein auf mitbekommen. Für mich spielte Ruhm nie eine Rolle.

Vielmehr ging es für mich darum, meinen eigenen Weg zu finden und eigene Entscheidungen zu treffen. Ich bemühe mich meiner Arbeit so gut wie möglich nachzugehen. Ich selbst sehe mich nicht als Berühmtheit, sondern als jemand, der sich stets verbessern möchte. Ich arbeite sehr hart daran, immer meine beste Leistung zu erbringen, versuche mich für alle Jobs vorzubereiten. Wenn man sich diese Arbeitsmoral zu Herzen nimmt, dann wird der Ruhm automatisch folgen.

Aber ich bin nicht hier, um dem Ruhm nachzujagen. Ich möchte für meine Leistung bekannt sein und meine Talente. Und das Schöne daran ist, dass mir diese Position eine Stimme verleiht, die ich als Body-Aktivistin und Plussize Model einsetze. Das Positive am Berühmtsein ist, dass man gehört wird. Diese Stimme möchte ich Personen leihen und auf Themen aufmerksam machen, die viel zu wenig Beachtung finden.

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Wenn du jede Person in der Modeindustrie treffen könntest und ihr oder ihm jede Frage stellen könntest, wen würdest du gerne treffen wollen?

Puh, das ist eine total schwierige Frage. Hmm ... ich denke, ich würde in die Richtung der Redakteure oder Designer tendieren. Ich denke, ich würde gerne mit jemandem sprechen, der für mich ein Mentor sein könnte; jemand der die Modeindustrie in und auswendig kennt. Ich blicke sehr zu Victoria Beckham auf, denn sie ist eine der wenigen Frauen in dieser Industrie, die eine Couture Linie aus dem Nichts erschaffen hat. Mit viel harter Arbeit hat sie sich eine Reputation erarbeitet und wird von der Modeindustrie ernst genommen und respektiert.

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Wenn wir über Victoria Beckham sprechen, welche Frage würdest du ihr gerne stellen? Neben ihrer phänomenalen Mode ist sie auch bekannt dafür besonders dünne Models zu engagieren. Wäre das ein Thema, über das du mit ihr sprechen würdest?

Nein, denn ich bin der Meinung, dass jeder Dinge so machen soll wie er oder sie möchte. Ich würde niemals zu einem Designer hingehen und deren kreative Richtung ändern wollen. Das ist deren Entscheidung. Was viele Personen vergessen ist, dass es in dass es auf dem Runway nicht um die Körper geht, sondern um die Klamotten.

Christian Siriano zeigt seine Mode beispielsweise in allen Größen bis hin zu Plussize. Ich vermute, dass Victorias Kleidung gar nicht bis Plussize produziert wird. Deshalb macht es auch keinen Sinn für sie ein Plussize Model auf den Laufsteg zu schicken. Was Leute immer wieder vergessen ist, dass der Runway für die Kleidung gedacht ist und nicht für die Models. Hier werden Visionen gezeigt!

Du kommst aus einer sehr bekannten Familie! Denkst du ist dein Bekanntheitsgrad eine Hürde neue Menschen in dein Leben zu lassen oder ein Segen?

Ich möchte niemanden im Vorhinein ausschließen. Ich bin eine sehr aufgeschlossene und vertrauenswürdige Person. Ich war schon immer so gewesen und das ist auch ein Teil von mir den ich sehr gerne mag. Ich würde niemals wollen, dass meine Wurzeln, mein Beruf oder die Tatsache wer ich bin, ein Hindernis für eine Begegnung ist. Wenn ich auf dem Weg dahin verletzt werde, dann ist das eben so.

Aber am Ende des Tages möchte ich nicht misstrauisch werden, nur weil die Situation so ist, wie sie eben ist. Ich denke jedoch, dass ich schnell erkennen kann aus welchen Motiven heraus Menschen meine Nähe suchen. Auch zu denen würde ich nie unfreundlich sein oder mich respektlos verhalten, aber wahrscheinlich würden wir nie beste Freunde werden.

Ich hatte definitiv meine Hochs und Tiefs auf der Suche nach Freunden in meiner Kindheit. Aber meine ganze Familie ist so aufgeschlossen, wir sind eine sehr herzenswarme Familie! Ich liebe, was ich tue, aber das bedeutet nicht, dass mich meine Leidenschaft definiert. Wenn ich jemanden aus dem Business treffe, dann beurteile ich die Person niemals aufgrund dessen, was ich über sie gehört oder gesehen habe, oder was sie bis dahin gemacht haben; ich beurteile die Person, die ich zu diesem Zeitpunkt in diesem Moment vor mir stehen habe.

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Wie ist die Kooperation mit Sheego entstanden?

Ich hatte bereits in der Vergangenheit mit Sheego bei der Berlin Fashion Week zusammengearbeitet und bin für sie gelaufen. Ich habe mich einfach in die Marke verliebt, denn ich mag wofür die Brand steht. Sie möchte Frauen bestärken und stehen für Selbstbewusstsein. Und das sind auch genau die Dinge, für die ich auch stehe. Und als sie mich gefragt hatten, ob ich bei dem Kalendershooting dabei sein möchte, stand die Entscheidung für mich sofort fest.

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Besonders Plussize Models werden oft - und viel öfter als Models mit schlankeren Maßen - nach ihrem Wohlbefinden bezüglich ihres Körpers gefragt. Wie stehst du zu Fragen dieser Art?

Das ist eine interessante Frage, denn Tatsache ist, ich bin nicht nur ein Plussize Model, sondern auch Designerin und Schauspielerin. Aus irgendwelchen Gründen habe ich seit Beginn an meiner Modelkarriere über Themen wie Plussize und Empowerment gesprochen. Und irgendwann kommst du an einen Punkt, wo du dir wünschst, dass deine Leistung und deine Talente überwiegen, aber oft sind es die negativen Dinge, die die Menschen interessieren.

Zum Glück bin ich ein sehr positiv eingestellter Mensch und interpretiere Fragen dieser Art als etwas Positives. Die richtig schwierigen Fragen sind Fragen bei denen ich den Gesundheitszustand anderer Personen aufgrund deren Gewicht einschätzen sollte, oder Vorwürfe, dass ich Fettleibigkeit verherrlichen würde.

Ich möchte niemanden verärgern oder ein "falsches" Vorbild sein, das jemanden in die "falsche" Richtung drängt. Und da geht es beispielsweise gar nicht um die Person, die mich interviewt, sondern ich denke dabei an die Personen, die die Interviews lesen werden. Ich möchte jemand sein, der Personen hilft, sich in ihrer Haut wohl zu fühlen.

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Gibt es etwas, das du gerne an dem Diskurs, wie wir über das Thema Plussize sprechen, ändern möchtest?

Ich uns geht es im Moment sehr gut. Ich denke, wenn wir an dem Punkt, an dem wir sind, ansetzen und weitermachen, wird es aufwärts gehen. Wir haben Magazine wie die US Glamour, die eine Special Edition haben. Bereits die zweite Ausgabe mit einem Plussize Mädchen ist erschienen. Wir haben es der Mode zu verdanken, dass wir diesen Dialog über Bodyimage führen, denn Fashion ist etwas, das alle anspricht.

Mode erreicht alle Länder und spricht alle Sprachen, weißt du was ich meine? Mode besitzt die Macht, die Denkweise der Menschen zu ändern. Es war die Modewelt, die die Medienwelt dazu gebracht hat, dass wir einen anderen Diskurs als bisher über die Wahrnehmung unseres Körpers führen. Plussize Models waren schon immer da, jedoch wurde ihnen noch nie so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie heute.

Es ist einerseits traurig, dass es so lange dauerte, bis wir an diesem Punkt angelangt sind, an dem wir heute sind. Aber die gute Sache ist, dass wir hier sind. Natürlich ist eine konstante Weiterentwicklung wichtig, aber ich finde wir machen das schon richtig gut. Ich habe kürzlich meine eigene Kollektion im Plussize Sektor auf den Markt gebracht.

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Kann man deine Kollektion auch in Deutschland kaufen?

Ja, man kann sie auch in Deutschland kaufen und zwar auf der Website elvi.co.uk. Mein Ziel ist es in Zukunft auch in Richtung Regularsize zu gehen, und eines Tages auch eine Couture Linie zu haben. Aber die Tatsache im Plussize Segment zu starten war für mich enorm wichtig. Das Problem ist auch, dass es einem an Design-Schulen nicht beigebracht wird, wie man mit einem Plussize Körper umgeht.

Welche Eigenschaften sollte man als Model mitbringen?

Man braucht eine gute Einstellung zu diesem Business. Man muss frei sein und die Gabe haben Bewegungen fließend auszuführen. Es ist sozusagen ein gewisser Tanz. Man könnte es auch ein bisschen mit Meditation vergleichen, nicht im wortwörtlichen Sinne, aber ich versuche als das Model zu performen, das ich gerne sein möchte. Es geht darum die Gedanken frei zu lassen und sich von seinen Bewegungen treiben zu lassen.

Vielen Dank für das Interview! Alles Gute weiterhin!

Danke, euch auch!

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Blick hinter die Kulissen bei den sheego Kurvenstars 2017

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