07.07.2016

Interview Aysen Bitzer: "Frauen sollte man viel mehr unterstützen"

Kemara Pol

Modedesignerin Aysen Bitzer hilft Frauen wo sie nur kann.

Foto: © MERCEDES-BENZ FASHION

Modedesignerin Aysen Bitzer hilft Frauen wo sie nur kann.

0039Italy Chefdesignerin spricht über die Stellung der Frau in der Mode, die Zusammenarbeit mit Coca-Cola und erzählt was sie vom Brexit hält.

Aysen Bitzer ist Modedesignerin ihres Labels 0039Italy. Anlässlich der Fashion Week zeigte sie eine limitierte Kollektion in Zusammenarbeit mit Coca-Cola. Mit uns sprach sie darüber, wie die Zusammenarbeit verlief, wie Coca-Cola überhaupt zu Mode passt und was es für sie bedeutet als erste Frau für den Getränkegiganten eine Capsule Collection zu entwerfen.

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bildderfrau.de: Wie kam es zu dem Namen 0039Italy?

Aysen Bitzer: Ich war damals mit meinem Freund und heutigen Ehemann in unserem ersten gemeinsamen Urlaub in Italien. Damals kannten wir uns noch nicht so gut und als frisches Paar weiß man ja nicht so genau, wo der gemeinsame Weg hingeht. Und wenn man zum ersten Mal gemeinsam unterwegs ist, ist man noch nicht so gut aufeinander abgestimmt.

Wir waren bei einem Strand, an dem Italiener Fußball spielten und ich wollte mit ihnen mitspielen. Das fand mein Mann nicht so toll, weil ich nur im Bikini bekleidet war. Mein Mann fragte mich, ob ich mir denn nicht etwas darüber anziehen wollte, z.B. eine Tunika. Jedoch besaß ich damals keine und wir machten uns auf die Suche nach der perfekten Tunika oder Long Sleeve Bluse, aber wir haben sie nicht gefunden.

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Daraufhin hatte mein Mann die Idee, dass ich ein Label starten sollte. Gesagt, getan und im selben Jahr zeigten wir in Paris auf einer Messe eine Bluse mit dem Namen „Carla“, die den Po leicht bedeckte. Der Name 0039Italy ist auf das Land zurückzuführen, in dem die Idee entstand und 0039 steht für die Vorwahl von Italien.

Sind Ihre Kreationen von italienischem Design beeinflusst?

Ich orientiere mich an allem und bin nicht auf Italien spezialisiert, aber meine Stoffe suche ich zu 90% in Italien. Meine ganzen Hersteller sind aus Italien und ich bin sehr von dem italienischen Druckstil beeinflusst.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Coca-Cola? Und wo sehen Sie den Zusammenhang zwischen Coca-Cola und Mode?

Coca-Cola hat nicht zum ersten Mal Mode kreieren lassen, das ist schon des Öfteren passiert. Vor mir haben schon Marken wie Dolce & Gabbana, Marc Jacobs und Jean Paul Gaultier designt, aber ich bin nicht nur die erste Deutsche, die eine Capsule Collection machen darf, sondern ich bin auch die erste Frau. Ich denke, dass Coca-Cola und 0039Italy einfach eine Mega-Kombination ist, denn beide Marken sprühen Lebensqualität und Freude aus.

Als Coca-Cola Atlanta anrief, war ich natürlich schon überrascht, weil ich natürlich nicht damit gerechnet habe. Es ist eine große Ehre in so große Fußstapfen zu treten. Atlanta hat mir bei den Designs unglaublich viel Freiheit gelassen und darüber bin ich sehr glücklich. Als sie mich angerufen haben und ich erfahren hatte, dass Coca-Cola am Telefon ist, dachte ich mir erst, wir haben keine Cola bestellt und habe wieder aufgelegt.

Drei Tage später haben sie wieder angerufen und dann habe ich erfahren, dass es um Mode geht. Danach musste ich binnen vier Wochen ein Moodboard einreichen, wie ich mit 0039Italy Coca-Cola Designs umsetzen würde. Das Moodboard wurde innerhalb drei Wochen abgesegnet und ich konnte mit der Kollektion loslegen.


Was genau bedeutet der Begriff Capsule Collection?

Eine Capsule Collection ist eine kleine Kollektion von 20 Teilen, die besonders sind.

Was bedeutet es für Sie, dass Sie die erste Frau sind, die für Coca-Cola eine Capsule Collection entwirft?

Es macht mich natürlich wahnsinnig stolz! Es soll aber auch andere Frauen motivieren diesen Weg zu gehen. Ich finde es toll, dass man als Frau gesehen wird und nicht undurchsichtig ist. Dass ich jetzt gesehen worden bin, bedeutet für viele Millionen Frauen, dass auch sie alle wahrgenommen werden können.

Wie kam es dazu, dass Sie ausschließlich Frauen bei Ihrem Label angestellt haben?

Ich bin ein absoluter Frauenfan und ich finde Frauen super! Ich finde, Frauen sollte man viel mehr unterstützen. Mir ist es egal, ob sie geschieden ist, drei oder vier Kinder hat und auch das Alter spielt keine Rolle. Wenn jemand motiviert ist, gebe ich jedem eine Chance. Ich finde auch, dass Frauen super zusammen harmonieren, wenn man das richtige Team hat. Es ist einfach unglaublich was meine Kolleginnen leisten während ich gerade dieses Interview gebe. Ich muss immer wieder feststellen, dass es die einzig richtige Entscheidung war, einfach nur Frauen einzustellen. Aber mein Ehemann ist unser Finanzmeister und der Opa Francesco ist unser Lagermeister! (lacht)

Ist es Ihnen wichtig, dass Sie Mode entwerfen, die allen Frauen passt?

Mir ist es wichtig, dass Frauen unsere Blusen tragen können, die ein breites Publikum anspricht. Unsere Zielgruppe spricht nicht nur die 20 bis 30-jährigen Kundinnen an, sondern meine Kundin ist tatsächlich von 18 bis 78! Meine älteste Kundin, die ich persönlich kenne, ist gerade 78 geworden. Deshalb denke ich, dass unsere Bluse keine Altersbegrenzung hat und das ist mir auch super wichtig! Wir arbeiten nur mit Naturfasern und haben auch 16 verschiedene Passformen. Wenn bei uns eine Kundin nicht fündig wird, wo dann?

Waren Sie auch selbst für das Casting der Models, die Ihre Mode präsentieren werden, verantwortlich?

Ja, Sonntag war Castingtag eins und Montag war der zweite Tag. Alle Mädels, die hier sind, habe ich ausgesucht und meine Mentorin Christiane Arp (Anm. der Redaktion: Chefredakteurin der Vogue Deutschland) hat beim Styling für mich große Hand angelegt. Wir haben unglaublich viel Hilfe erfahren. Denn als sich herumsprach, dass ich für Coca-Cola eine Kollektion entwerfen werde, hatte ich auf einmal sehr viel Unterstützung bekommen.

Spiegelt das Casting der Models die große Bandbreite Ihrer Zielgruppe auch wider?

Nein, definitv nicht. Ich gebe es auch zu, es sind junge Mädchen. Warum nicht? Wir wollen ja in erster Linie Mode präsentieren. Wir wollen keine Inszenierung von irgendetwas. Für mich ist wichtig, dass der Fokus die Mode bleibt, denn darauf sollte man sich konzentrieren. Deshalb habe ich auch das Borchardt als Location ausgewählt, damit dieser Charakter des Modesalons wiederbelebt und man sich tatsächlich wieder auf die Mode konzentriert. Natürlich hätte ich auch ältere Damen, Curvy Models oder Promis nehmen können, aber ich finde Mode lebt, indem man sie zeigt und präsentiert. Und das ist im Grunde eine Person, die den Body dafür hat, um die Designs zu tragen.

In einem Interview haben Sie einmal erwähnt, dass sie gerne Europäerin sind. Wie stehen Sie persönlich denn zu dem Thema Brexit?

Normalerweise äußere ich mich politisch nicht, aber wenn ich etwas Kurzes dazusagen kann, dann ist es: Wie kann man nur so dumm sein? Wir sind Europa und man muss sich nur mal nur mal umschauen was in unserem Umkreis passiert und wie viele Menschen im Radius von ein paar tausend Kilometern sterben müssen. Ich verstehe einfach nicht, wie man in der heutigen Zeit so intolerant sein kann. Man darf auch nicht vergessen, was das für einen Rattenschwanz auch für die Fashion Branche mit sich zieht. Es ist ja nicht nur Brexit für die Börse, sondern auch für die Modebranche, für unsere Kinder, die studieren gehen wollen und was das für die Jugend in England bedeutet. Man weiß gar nicht, was man hier angezettelt hat. Es macht einen einfach sehr traurig, weil ich selber auch zwei Kinder habe.

Mehr zur Fashion Week hier:

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