04.11.2016

FILM-TIPP My First Lady: Wie Michelle Obama ihren Barack lieben lernte...

Barack Obama bewundert seine Frau Michelle.

Foto: Imago

Barack Obama bewundert seine Frau Michelle.

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie das erste Rendezvous von Michelle und Barack Obama verlief? Die US-Romanze MY FIRST LADY gibt uns Einblick.

 

Es ist das klassische Sujet des Superheldenfilms: die Geschichte, wie der Mann - selten ist es einer Frau gestattet - zu dem mythischen Helden wurde, den wir alle bereits kennen. Diese Wie-alles-begann-Geschichte fungiert als psychologisch erklärender Gründungsmythos für die später als vollendet präsentierte Konstitution eines Protagonisten, dem ein gewisses Maß an kultureller und gesellschaftlicher Bewunderung zuteil wird im Hier und Jetzt.

In diesem Sujet sehen wir bereits erste Anzeichen für die besonderen Charaktereigenschaften und Überzeugungen des Helden, erkennen wie er zu ihnen fand und erleben seine ersten Gehversuche in der Rolle, die er später noch erfolgreich professionalisieren wird. So hat in Film und Fernsehen schon fast jeder moderne Held seine rückblickende origin story erfahren - von Superman und Batman über Darth Vader und Indiana Jones bis hin zu James Bond und Doctor Strange.

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Wie alles begann für Michelle und Barack

Mit der sanften Sommerromanze My First Lady (2016) darf sich nun auch das aktuell noch amtierende amerikanische Präsidentenpaar Michelle und Barack Obama in diese illustre Riege einreihen. Im Langfilmdebpt des Autorenfilmers Richard Tanne dürfen wir den vielleicht wichtigsten Stunden ihrer Beziehung beiwohnen: ihrem ersten Date.

Dass sie am Ende des Tages im Jahre 1989 trotz aller Bedenken und Widrigkeiten zusammenkommen werden, ist historisch verbürgt. Doch das Warum und Wie es zu einer Annäherung kam, die er verbissen verfolgte und der sie immer wieder auszuweichen versuchte, steht hier im Mittelpunkt.

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Ein lauwarmer Nachmittag in Chicago

Southside With You, so der Originaltitel von My First Lady, der sich auf die vornehmlich schwarze Nachbarschaft von Chicago bezieht, in der die junge Anwältin Michelle Robinson (Tika Sumpter aus den "Ride Along"-Filmen) und ihr ehrgeiziger Praktikant Barack Obama (Entdeckung Parker Sawyers) den lauwarmen Sonntagnachmittag verbringen, wagt also nicht den großen Wurf, versucht sich nicht an einem biographischen Epos eines politisch und kulturell einflussreichen Menschen.

Stattdessen ist das augenfällige Vorbild des Films die Before Sunrise-Filme eines Richard Linklaters. Wie in den redseligen, wild philosophierenden und hintergründig emotionalen Beziehungsfilmen mit Ethan Hawke und Julie Delpy, die sich über die Trilogie einmal halb durch Europas Altstädte quatschen, ist My First Lady in erster Linie ein Dialogfilm, in der zwei Menschen gehen, sitzen, essen und reden - allerdings ohne die intellektuelle Dichte der Vorbilder.

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Eine Momentaufnahme afro-amerikanischer Identität

Umso überraschender muss man dann feststellen, dass sich die talentierten und charismatischen Darsteller Parker Sawyers und Tike Sumpter, die auch den Film mitproduziert hat, über weite Strecken des Films wenig geistreiche, amüsante oder interessante Unterhaltungen führen. Die Schauspieler haben zwar nur eine grobe Ähnlichkeit mit ihren realen Vorbildern, aber vermitteln denselben Charme und dieselbe geistige Spontanität des bekannten Paares. Stellenweise wird die Bewunderung für Baracks rhetorischen Fähigkeiten zu dick aufgetragen, vor allem in einem längeren Monolog, den er vor einer schwarzen Gemeinde in einer Kirche hält, aber die smarte Michelle kann ihn oft genug bremsen.

Der weiße Regisseur Richard Tanne orientiert sich dramaturgisch weitestgehend an den überlieferten zeitlichen und örtlichen Koordinaten des unscheinbaren Nachmittags, arbeitet einiges an Lokal- und Zeitkolorit ein und setzt sich mit gutem Gespür für Zwischentöne mit afro-amerikanischer Identität und Selbstverständnis, der Kunst und Kultur bis zum und inklusive des Jahres 1989 auseinander.

Entsprechend endet der Film auch mit einem Kinobesuch von Spike Lees meisterlichem Rassendrama Do the Right Thing, der damals einen tiefen Eindruck auf das Präsidentenpaar hinterließ und ihre Ideen für ihre gemeinsame Zukunft und die der Nation prägte - oder wie in ihren eigenen Worten:

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