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Essen ist Geschmackssache, aber ist es auch Geschlechtersache? Im Alltag können Sie immer wieder beobachten, was für unterschiedliche Essgewohnheiten Frauen und Männer haben. Woran liegt das? Und was bedeutet es für Ihre persönliche Ernährung? Besonders deutlich wird dieses Phänomen in Kantinen, in denen es nur eine begrenzte Anzahl an Gerichten zur Auswahl gibt. Männer greifen eher zum deftigen, scharfen Gericht und fragen öfter nach einem Nachschlag. Frauen essen hingegen weniger. Sie greifen zum Salat, sparen außerdem am Fleisch und wählen dafür lieber einen süßen Nachtisch.
Auch wenn Sie persönlich vielleicht nicht alle diese Punkte für sich bejahen können, ist es erwiesen, dass Frauen und Männer unterschiedliche Vorlieben haben.
Eigentlich ist es ja kein Wunder, dass Frauen und Männer unterschiedlich essen. Auch wenn die Differenz manchmal nur gering ist, so empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei den meisten Vitaminen unterschiedliche Bedarfsmengen für Frauen und Männer.
Auch der Energiebedarf unterscheidet sich. Männer sind in der Regel größer und schwerer, haben mehr Muskelmasse und zum Teil einen anderen Stoffwechsel als Frauen. Daher benötigen sie mehr Energie. Im Durchschnitt braucht ein 25 bis 51 jähriger Mann 2.900 kcal pro Tag. Einer Frau in der gleichen Altersgruppe werden dagegen lediglich 2.300 kcal empfohlen. Auch wenn dies mit ein Grund für die unterschiedlichen Essmuster von Mann und Frau ist - als alleinige Erklärung reicht dies noch lange nicht aus.
Motive bei der Auswahl der SpeisenTypischerweise essen Frauen öfter das, was sie für gesund halten. So zeigen verschiedene Studien immer wieder, dass Frauen häufiger zu frischem Obst und Gemüse und zu Vollkornprodukten greifen. Die meisten Männer geben als Motiv für ihre Lebensmittelauswahl den Genuss an und handeln eher nach dem Motto: “Hauptsache es schmeckt!”.
GeschlechterrollenViele Lebensmittel werden von den meisten Menschen sofort einem bestimmten Geschlecht zugeordnet. So verbindet man besonders dunkles Fleisch oder ein Bier mit Männlichkeit. Lebensmittel wie Mousse au chocolat, Salat, Sekt oder Weinschorle werden in der Regel als weiblich eingeordnet.
Das sind aber nur unsere “typisch deutschen” Vorstellungen. Zwar gibt es in jedem Land geschlechtsspezifische Essmuster, jedoch stimmen diese nicht grenzübergreifend überein. Eine Frau, die aus einer Kultur kommt, in der rohes Fleisch zum normalen Speiseplan gehört, wird dies selbstverständlich zu sich nehmen. Hier zu Lande kann es einer Frau passieren, dass sie bei der Bestellung eines blutigen Steaks einen verwunderten Blick erntet.
Die Vorstellung über die typische Rolle eines Geschlechts in unserer Gesellschaft prägt daher unsere Essgewohnheiten von Beginn an.
Das herrschende SchönheitsidealWährend Männer bereits als Jungs häufig von ihren Eltern eine extra Portion essen bekommen, “damit sie groß und stark werden”, läuten bei Eltern pubertärer Mädchen in Punkto Gewicht eher die Alarmglocken. Sie werden daher meistens zu mehr Obst- und Gemüsekonsum aufgefordert.
Diese unterschiedliche Erziehung wird auch im Erwachsenenalter noch deutlich. Männer füllen ihren Teller richtig voll, während Frauen auf eine “normale” oder gar kleine Portionsgröße achten. Diese Erscheinung wird von Geschlechtsforschern auf das hierzulande herrschende Schönheitsideal zurückgeführt, bei dem besonders die Frau als schön gilt, wenn sie schlank ist. Männern wird schon eher ein kleines Bäuchlein zugestanden.
Gender FoodTatsächlich gibt es auf dem Markt mittlerweile Lebensmittel, die speziell auf männliche, bzw. weibliche Konsumenten ausgerichtet sind. Sie fallen unter den Begriff Gender Food. Diese geschlechtsspezifischen Lebensmittel werden besonders mit physiologischen Vorteilen für das jeweilige Geschlecht beworben. Bei Frauen kommt besonders gut ein hoher Vitamingehalt oder der Begriff “light” an.
Auch die Gestaltung eines Lebensmittels durch gezielte Wahl der Farbe und Form der Verpackung können ein Geschlecht stärker ansprechen als das andere. Dabei ist das Ziel, ein Produkt, dass sehr stark von einem Geschlecht gekauft wird, auch für das andere Geschlecht attraktiv zu machen. Auf dem weltweiten Markt werden bereits Schokoladenriegel für Männer, Bier für Frauen und kalorienfreie Cola für Männer angepriesen. Noch hält sich das Angebot jedoch in Grenzen.
FazitDie Unterschiede in den Essgewohnheiten von Männern und Frauen sind nicht allein auf physiologische Bedürfnisse zurückzuführen, denn Essen und Trinken ist viel mehr als lediglich Bedarfsdeckung. Ansonsten würden wir nur essen, was und wie viel gut für uns ist. Tatsächlich aber essen viele Männer und Frauen zu fett und zu viel.
Bis heute ist noch nicht abschließend geklärt, warum der Mensch isst, was er isst. Ansätze für eine Erklärung finden sich in der Kultur, in der Frau und Mann aufwachsen, in dem herrschenden Schönheitsideal und den Erwartungen der Gesellschaft und des Umfelds.
* Überlegen Sie für sich einmal, wie Ihre Ernährungserziehung in der Kindheit ausgesehen hat und welche Auswirkungen davon sich in Ihrer heutigen Ernährung noch zeigen.
* Überprüfen Sie, ob Sie Erwartungen von außen ausgesetzt sind, die Sie dazu verleiten, anders zu essen, als es für Sie gut wäre. Nur, wer sich seine Gewohnheiten bewusst macht, kann auch bewusst diese Gewohnheiten ändern!
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1. Pudel, V. u. Westenhöfer, J. (1998). Ernährungspsychologie. Eine Einführung (3. unveränderte Auflage 2003). Göttingen: Hogrefe. 2. Süddeutsche Zeitung vom 05.02.2008: Warum Männer Steak mögen und Frauen kein Bier 3. Verein für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB): “Typisch männlich” - Interview mit der Ernährungssoziologin Monika Setzwein |
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Veröffentlicht von der Kochen & Backen-Redaktion
am 07/09/2010 | |||||
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