21.10.2016

INTERVIEW Jenny Mustard: Minimalismus in Ernährung und Lebenswandel

Svenja Goebel

Die Schwedin Jenny Mustard widmet sich in ihrem YouTube-Kanal dem Minimalismus und veganer Ernährung.

Die Schwedin Jenny Mustard widmet sich in ihrem YouTube-Kanal dem Minimalismus und veganer Ernährung.

Entspannende Musik, klares Design, androgyner Stil: Jenny Mustard und ihr YouTube-Kanal bleiben in Erinnerung. Nicht nur bei Minimalisten.

Jenny Mustard ist Schwedin, hat aber beschlossen, ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin zu verlagern. Ihre Leidenschaft sind der Minimalismus in allen Lebensbereichen und gutes Essen. Sie bloggt, produziert Videos, ernährt sich vegan und inspiriert auf ihrem YouTube-Kanal ihre Zuschauer. Wir wollten mehr über die außergewöhnliche Berlin-Liebhaberin erfahren und trafen sie zum Interview.

bildderfrau.de: Wie würdest du deinen YouTube-Kanal jemandem beschreiben, der ihn noch nie angeschaut hat?

Jenny Mustard: Ich würde ihn als einen Lifestyle-Kanal beschreiben, eine Art Tagebuch, das mit allem, das mich fasziniert, gefüllt ist: minimalistischer Lebenswandel, gesunde Angewohnheiten und leckeres veganes Essen, Mode und Inneneinrichtungsdesign und das Etablieren eines Lebens, das mich fasziniert.

Was hast du zunächst beabsichtigt, als du deinen Vlog gestartet hast? Was wolltest du damit erreichen?

Meine Hoffnung und mein Traum war es, dass mein Partner David und ich vom Blog Leben zu können und ich eine Karriere darauf aufbauen kann. Neben dem Wunsch über meinen Blog ein Einkommen zu generieren, wollte ich dazu in der Lage sein meine Zeit mit etwas zu verbringen, dass mir Spaß macht und einen Wert für mich hat. Ich wollte einen kreativen, inspirierenden und lohnenden Job und ein Blog schien mir alle Kriterien zu erfüllen.

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Dein Stil ist sehr minimalistisch und darum dreht sich auf deinem Blog und Vlog ja auch alles. Dein Essen scheint da aber etwas aus dem Raster zu fallen: knallige Farben, die einen förmlich anspringen und Gerichte, die schlichtweg zum Anbeißen aussehen. Warum stehen dein Stil und deine Gerichte scheinbar in so einem Spannungsverhältnis, zumindest in Bezug auf die Farbenfreude?

Ich finde ehrlich gesagt nicht, dass es hier einen Widerspruch gibt, aber vielleicht gibt es auch nur für mich eine enge Verbindung zwischen den Gerichten und meinem Stil. Mein Stilanspruch liegt darin, dass alle Farben so sein sollen, wie sie sind: weiß ist weiß, schwarz ist schwarz, blau ist blau und pink ist pink.

Während meine Kleidung eher in neutralen Farben wie schwarz, weiß, grau und beige gehalten ist, möchte ich, dass mein Essen so frisch, gesund und leuchtend wie möglich ist. Das Gemüse und Obst soll in seinen natürlichen Farben leuchten. Dank des energiegeladenen, bunten Essens erhalte ich einen angenehmen Gegenpol zu meinem neutral gehaltenen Umfeld.

Hast du eine Lieblingszutat?

Zuviele, um nur eine auszuwählen. Dennoch ist Nudelsuppe immer ganz oben auf meiner Liste.

Wo sammelst du Essens-Inspiration? Hast du überhaupt Kochbücher?

Ich habe ein paar Kochbücher, da einige meiner Freunde Kochbücher veröffentlicht haben. Meine Inspiration ziehe ich aber nicht aus Büchern oder Blogs. Normalerweise inspiriert mich die Zutat an sich: Schaue ich mir ein Gemüse an, frage ich mich "Was kann ich mit dir machen?" Danach experimentiere ich eigentlich nur.

Wie erklärst du dir das Interesse anderer Leute an deinen Essgewohnheiten? Deine Leser und Zuschauer fragen immer wieder, was du in der Woche gegessen hast. Ist das nicht manchmal seltsam?

Ehrlich gesagt finde ich das überhaupt nicht komisch. Die meisten von uns möchten sich gesund ernähren, ohne dass es fad und langweilig schmeckt. Wenn man jemanden entdeckt, der oder die sich gesund ernährt und das, was sie kocht wirklich liebt, ist es doch natürlich neugierig zu werden. Mich irritieren die Nachfragen keineswegs, zumal ich es liebe über Essen zu reden und Ideen zu teilen.

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Gerade bei veganer Ernährung gibt es noch unheimlich viel zu entdecken. Woher nimmst du die Kreativität neben all deinen Jobs und Aufgaben?

Oh ja, das ist definitiv eine Herausforderung. Ich glaube, dass Kreativität in Wellen kommt. Manchmal habe ich eine Foodie-Phase und mir fallen täglich neue Rezepte ein. Und manchmal, so wie jetzt gerade zum Beispiel, koche ich einfach Gerichte, die ich schon kenne und schon viele Male zuvor gekocht habe.

Zurzeit nutze ich meine Kreativität an anderen Dingen als Essen. Ich glaube, dass wir unseren kreativen Geist leicht vernachlässigen, wenn wir ihn nicht höher priorisieren. Im Prinzip ist es wie mit dem Sport - haben wir trainiert, fühlen wir uns großartig und energiegeladen, aber wohl die meisten von uns müssen und daran erinnern Sport zu machen.

Veganer zu sein heißt weitaus mehr, als sich vegan zu ernähren, es ist eine Lebenseinstellung. Wann hast du beschlossen Veganer zu werden und warum?

Als ich 13 Jahre alt war, habe ich beschlossen mich vegetarisch zu ernähren, weil ich nicht zum Leid der Tiere beitragen wollte. Als Studentin habe ich mich außerdem mit tierischen Verhaltensmustern und Tierschutz auseinandergesetzt und wir haben verschiedene Bauernhöfe besucht, um uns anzuschauen, wie die Tiere gehalten und behandelt werden. Damals habe ich verstanden, dass es keinen Unterschied zwischen dem Leid einer Milchkuh und eierlegenden Hennen gibt zu dem Leid von Schweinen und Hühnern für den Fleischkonsum.

Daher fiel mir die Entscheidung sehr leicht. Nach und nach habe ich aufgehört Kleidung mit tierischen Bestandteilen zu tragen und schaute mich nach Make-Up und Hautpflegeprodukten ohne Tierversuche um. Selbst heute nach zehn Jahren als Veganerin, befinde ich mich immer noch in einem Findungsprozess. Heutzutage werden Tiere auf so viele unerwarteten Weisen benutzt, dass es fast unmöglich ist zu 100 Prozent vegan zu leben.

Du bist aus Schweden, aber lebst in Berlin: Was gefällt dir an Berlin und Deutschland am meisten?

Ich liebe Berlin. Irgendetwas ist immer los: Märkte, Events, Festivals, neue spannende Restaurants. Außerdem ist es als Veganer so einfach Optionen zu finden im Vergleich zu Stockholm oder London, wo ich vorher gelebt habe. Selbst Restaurants, die nicht rein vegan sind, haben immer vegane Optionen auf der Karte.

Die Wohnungen in Berlin sind unglaublich schön und auch etwas für das schmale Portemonnaie, vor allem im Vergleich zu Stockholm oder London. Berlin ist auch die perfekte Stadt, wenn man gerne zu Fuß unterwegs ist. Man kann stundenlang herumlaufen, die Straßen sind nicht zu voll und es gibt so viele Parks und Bäume. Es ist wunderschön.

Was für Freiheiten kannst du in Berlin mehr ausleben als in Schweden?

Die Freiheit dem schwedischen Winter zu entkommen! Sicher, viele Deutsche beschweren sich über das Wetter, aber für uns Schweden ist es hier himmlisch. I liebe die Atmosphäre und alle Menschen, die wir treffen, sind so nett und aufgeschlossen.

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Svenja Goebel

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