Sie bellen den Briefträger an, jagen Jogger und nötigen vorbeifahrende Radfahrern zu akrobatischen Höchstleistungen. Hunde – verhaltensgestört und außer Rand und Band? Keinesfalls. Meist handelt es sich nicht um „Problemhunde“, sondern eher um Halter, die ein Problem mit der Hundeerziehung haben. In jedem achten Haushalt - so schätzt der Industrieverband Heimtierbedarf - ist ein Hund anzutreffen. Macht ca. 5 Millionen Hunde deutschlandweit. Die Beliebtheit des Hundes als Haustier wird nur noch von der Katze übertroffen.
Wie viele verhaltensauffällige Katzen es gibt und welche Kämpfe sich im Schutz der Wohnung zwischen Kratzbaum und Katzenklo abspielen, ist leider nicht bekannt. Bei den Hunden sieht das anders aus: Hundeexperten gehen davon aus, dass nahezu ein Drittel der Hunde verhaltensauffällige Tendenzen aufweist.
Dabei ist der Hund eigentlich ein sehr folgsames Haustier. Normalerweise setzt er das um, was ihm im Rahmen der konsequenten Hunderziehung angetragen wird - so er denn erzogen wird. Hilft alles Schimpfen und an der Leine zerren nichts, wird das Hundetraining zum Rettungsanker.
Hunde: Training schützt vor Langeweile
Die besondere Beziehung zwischen Hunden und Menschen begann vor ca. 45.000 Jahren - so schätzen Wissenschaftler. Die Hunde, stets anpassungsfähig und äußerst gelehrig, fungierten als Jagd-, Hüte- oder Wachhund und gehorchten aufs Wort. Noch immer vollbringen Blinden- oder Spürhunde und Vierbeiner im Polizei- oder Rettungseinsatz außergewöhnliche Leistungen.
Nur: Von derart verantwortungsvollen Aufgaben kann der durchschnittliche Familienhund bloß träumen. Das einstige Wild- und Arbeitstier soll heute vor allem eines sein: der beste Freund des Menschen. Das ist zwar ganz nett. Eine tagesfüllende Aufgabe, die vor Langeweile schützt, sieht dennoch anders aus. Denn was macht der gelangweilte Hund? Richtig: Er kommt, wie wir Menschen, auf dumme Gedanken. Doch das können Sie ihm abgewöhnen und hier kommt das Hundetraining ins Spiel.
Welches Hundetraining ist das richtige?
Eines vorweg: Es gibt nicht „das“ Hundetraining, das aus dem vermeintlichen Problemhund ein Schoßhündchen werden lässt. Auch wenn Ihnen manch Hundetrainer anderes suggeriert, so sollten die Trainingsmethoden die Besonderheiten in der Interaktion zwischen Ihnen und Ihrem Hund individuell berücksichtigen.
Ein gutes Hundetraining bezieht immer den Menschen am anderen Ende der Leine mit ein. Denn wenn Hund und Halter ein Problem miteinander haben, müssen auch beide daran arbeiten. Ein Knackpunkt des Trainings, der für manchen Hundebesitzer schwer einzusehen ist:
Der Hund sucht keinen gleichrangigen Spielgefährten, Büchsenöffner oder Gassigeher, sondern einen zweibeinigen Rudelführer. Nimmt der Mensch diese Rolle nicht ein, wird es der Hund zwangsläufig tun. Mit dem Resultat, dass Ihr Hund nicht das tut, was Sie von ihm wollen. Beim Hundetraining gilt daher: Sie geben die Regeln vor, die Ihr Hund zu beherzigen hat.
Hundetraining – was kennzeichnet eine seriöse Hundeschule?
Der professionelle Hundetrainer weiß, was er tut? Das kann und sollte so sein - muss es aber nicht. Für den Hundetrainer gibt es keine gesetzlich geregelte Ausbildung - für den Hundepsychologen übrigens auch nicht.
Wie sich der Hundetrainer das Fachwissen aneignet, woher er es bezieht und was er daraus macht, das bleibt ihm selbst überlassen. Schauen Sie sich den Trainer daher genau an. Welche Qualifikationen kann er vorweisen? Können Sie beim Hundetraining vorerst einmal zuschauen? Sind Sie mit den Trainingsmethoden einverstanden? Und stimmt die Wellenlänge zwischen Ihnen und dem Trainer?
Manchmal versagt auch das beste Hundetraining
Das beste Hundetraining nützt nicht viel, wenn die Hunderasse nicht ins familiäre Umfeld passt. Mag sein, dass der ausdauernde Husky dank der Zuhilfenahme eines „Hundeflüsterers“ zum lethargischen Sofahund wird. Wie es dem Husky dabei geht und was das mit einer artgerechten Haltung zu tun hat? Besser nicht darüber nachdenken.
Damit Ihr Hund gar nicht erst zum „Problemhund“ wird, sollten Sie sich vor Kauf unbedingt fragen, was für ein Umfeld Sie Ihrem Vierbeiner bieten können. Gibt es genug Platz zum Herumtollen? Oder bewegt sich der Hund fortan in einer engen Mietwohnung? Können Sie dem ausgeprägten Bewegungsdrang und dem unbeugsamen Charakter des Vierbeiners standhalten? Das schlechteste aller Argumente für einen Hundekauf ist: „Oh ist der süüüüüß“. Derartige Entscheidungshilfen stehen dem schulpflichtigen Nachwuchs zu - einem verantwortungsbewussten Hundebesitzer nicht.
Es gibt an die 400 verschiedene Hunderassen - nicht eingerechnet diverse Mischlingsarten - unter denen sich wirklich für jeden angehenden Hundebesitzer der richtige Hund findet. Der ist dann nicht nur „süß“, sondern passt auch hervorragend in die Familie - und dann wird das Hundetraining, so es denn überhaupt nötig ist, zum Kinderspiel.
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