14.03.2016

University of Happiness Warum Aschenputtel den Prinzen bekommt

Susanne Hühn

Foto: © iStock / MmeEmil

Was kann die Frau von heute von einer Märchenprinzessin lernen? Dieser Frage stellen wir uns in einer Beschäftigung mit dem klugen Aschenputtel!

Solche Tage kennt Frau: irgendwie ist alles grau, während alle anderen, so glauben wir, das Leben feiern. Und manche tun das sogar.

Wir sind nicht eingeladen zur Party, haben kein Kleid und überhaupt ist viel zu viel zu tun. Wir reagieren ein bisschen zickig, wenn uns jemand sagt, wir sollten doch mal wieder ein wenig Spaß haben. „Ja, aber wann?“ fragen wir und ziehen die Augenbrauen hoch. „Du kannst dir das leisten, du hast ja keine Kinder/ Tiere/ kein Haus/ keine Schwiegermutter zu pflegen.“

Und dann gibt es diese Sternminuten, in denen alles stimmt, wir sind die Schönste des Balles, das Leben gelingt und die Bewunderung aller ist uns sicher. Doch noch während wir die Röcke raffen, um mit dem Prinzen zu tanzen, fühlen wir uns wie eine Mogelpackung. Um zwölf ist alles vorbei, wir sind in Wahrheit nichts als ebendieses graumäusige Aschenputtel.

Doch etwas hat sie richtig gemacht, die Gute. Schaut man sich ihre Geschichte genauer, lernt man eine ganze Menge.

Aschenputtel lehrt uns, unsere Chancen zu nutzen

Aschenputtel ist nichts weniger als ein Opfer. Sie bittet den Vater, ihr das erste zu schenken, was ihm an den Hut stößt, als er sie fragt, was er ihr von seiner Reise mitbringen darf. Was heißt das übersetzt ins Leben? Sie vertraut darauf, dass ihr das Leben beschert, was sie braucht und dass ihr das auch zukommt. Sie will weder Kleider noch Gold, sie will, was das Leben ihr schenkt. Das klingt ein wenig esoterisch. Aber es ist dennoch klug. Er bringt ihr den Haselreis und sie pflanzt ihn auf das Grab der Mutter.

Was bedeutet das womöglich für uns? Wenn uns das Leben etwas schenkt, ist es sinnvoll, es auch zu nähren, ihm Wasser, Erde und Licht zu geben. Wie oft nutzen wir unsere Gelegenheiten eben nicht? Wie oft schauen wir so sehr auf das, was wir nicht haben, dass wir das, was dass Leben für uns bereit hält verpassen? Aschenputtel weiß das.

Ja, sie ist eine Stieftochter und muss hart arbeiten, doch sie nutzt die Chancen, die sie hat. Auch die Tiere stehen ihr zur Verfügung. Würden wir uns vermutlich hadernd oder zähneknirschend über diese Linsen hermachen, die sie aus der Asche pulen soll – vermutlich mit dem Handy am Ohr, um mit unserer besten Freundin über die Ungerechtigkeit der Welt zu klagen – öffnet sie die Fenster. Sie atmet einfach tief durch und tut, was uns allen so gut anstünde: sie bittet um Hilfe. Und bekommt sie!

Sie kommt gar nicht auf die Idee, sich dauerhaft schlecht zu fühlen. Sie nimmt an, was das Leben ihr aufbürdet und erlaubt nicht, darüber zum Opfer zu werden. Ist sie deshalb nicht aufsässig genug, zu wenig Pippi Langstrumpf, zu angepasst?

Nun, sie fragt nicht, wie sie ihre Aufgabe erfüllen soll, beabsichtigt nicht, brav zu sein, sondern sie findet ihren eigenen Weg, schlichtweg zu tun, was ansteht. Und dann, als sie fertig ist, erntet sie, was sie gesät hat: Sie nutzt die Gelegenheit, die ihr der Haselreis schenkt, zieht das Kleid an und geht zum Ball.

Wie könnte man ihre Kraft für sich nutzen, was macht sie anders, als man das so oft selbst erlebt?

Sie hadert nicht. Sie nutzt ihre Chancen.

Aschenputtel lehrt uns Mut zum Schönsein

Natürlich hätte Aschenputtel auch ungekämmt zum Ball gehen können, wäre es wahre Liebe, würde der Prinz sie hoffentlich auch im grauen Kleid erkennen. Doch übersetzt man das Märchen ins Leben, so könnte es heißen: Sie findet sich nicht mit der Unscheinbarkeit ab, sondern hat den Mut, schön zu sein, zu strahlen, die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen. Sie hat den Mut, sich ins Rampenlicht zu stellen, aus sich selbst heraus, ohne dass jemand sie dazu einlädt. Und sie passt gut auf sich auf, erlaubt nicht, beschämt zu werden. Sie geht, bevor das passieren könnte.

Letztlich hält Aschenputtel also die Fäden in der Hand, auch wenn sie noch so sehr das Opfer zu sein scheint. Sowie sie ihren Willen, ihre Absichten, ihre Selbstbestimmung einsetzt, ändert sich ihr Leben.

Wie wäre es, wenn Aschenputtel uns zuriefe: „Öffne dich, bitte um Hilfe, geh dahin, wo du wirklich geliebt wirst (in diesem Fall ans Grab der Mutter, wo der Haselstrauch stand), dann wirst du nicht nur mit allem versorgt, was du brauchst, sondern darüber hinaus mit allem, was dich frei macht.“

Das Ballkleid ermöglicht ihr den Besuch des Balles, sie lernt den Prinzen kennen und kann der lieblosen häuslichen Situation entkommen.

Was also könnte man anders machen? Zunächst mal: aufhören, zu hadern. Die Geschenke erkennen, die das Leben just in diesem Moment anbietet. Natürlich schreibt sich das leicht. Aber es stimmt womöglich dennoch. Um Hilfe zu bitten ist eine gute Idee. Und zuletzt: den Mut zu haben, sich zu zeigen, in aller Schönheit, auch wenn wir wissen, dass sie nicht für immer andauert. Für diesen Moment aber und nur darum geht es. Strahlen wir, wenn wir strahlen können, lesen wir Linsen, wenn es ansteht und bitten wir in jeder Situation darum, dass das Leben auf unserer Seite ist. Es könnte durchaus sein, dass das funktioniert.

Falls es überraschend doch nicht klappen sollte, gibt es hier den Froschkönig zum an die Wand klatschen. Humor hilft auf jeden Fall immer.

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Susanne Hühn

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