10.02.2017

AUSSATZ IST NICHT BESIEGT Lepra: Wie die Ansteckung passiert, ist noch immer ungeklärt

Monika Preuk

In den Slums Indiens und Südamerikas kann sich der Lepra-Erreger von Mensch zu Mensch verbreiten.

Foto: © iStock/narvikk

In den Slums Indiens und Südamerikas kann sich der Lepra-Erreger von Mensch zu Mensch verbreiten.

Lepra bleibt eine weltweite Seuche. Die Erkrankung ist tückisch, ihre Ansteckungszeit kann bis über 20 Jahre betragen.

Lepra, früher Aussatz genannt, ist eine uralte Krankheit. In ägyptischen Mumien, die über 4000 Jahre alt sind, ließ sich der Erreger der Lepra nachweisen, das Mycobacterium leprae. Auch heute, so warnt die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW, ist Lepra lange nicht ausgerottet.

Vor allem in Ländern wie Indien, Teilen Südamerikas und Afrikas kommt es pro Jahr zu mindestens 200.000 Neuerkrankungen. Weltweit leiden rund vier Millionen Leprakranke an den körperlichen Folgen der Seuche. In Deutschland gibt es nur Einzelfälle durch eingeschleppte Infektion, etwa bei Reisenden aus Asien und Südamerika.

Lepra ist wenig ansteckend, doch trotzdem gefährlich

Das Bakterium Mycobacterium leprae ist zwar wenig ansteckend. Doch zwischen den Kontakt mit dem Erreger und Ausbruch der Lepra können bis zu 20 oder sogar 30 Jahre vergehen. Der wenig aggressive Keim wird vermutlich über Tröpfcheninfektion übertragen, der genaue Ansteckungsweg ist jedoch noch unbekannt. Fest steht, dass längerer und enger Kontakt mit einem Leprakranken nötig ist, um sich anzustecken.

Ein intaktes Immunsystem wird problemlos mit den Bakterien fertig. Nur bei Mangelernährung und schlechten hygienischen Verhältnissen besteht das Risiko, daran zu erkranken. Deshalb grassiert Lepra vor allem in ärmeren Ländern, deren Bevölkerung eng zusammenlebt, etwa in Slums.

Allerdings kann sich der Lepra-Erreger in Abwehrzellen unentdeckt zurückziehen und dort überleben. Bisher ist es noch nicht gelungen, das Bakterium zu züchten und damit eine Impfung zu entwickeln. Weil Lepra massive Behinderungen nach sich ziehen kann, gilt die Infektionskrankheit auch heute noch als gefährlich.

Lepra – was ist das und welche Symptome sind typisch?

Der Erreger befällt Haut, Schleimhäute und Nervenzellen. Je nachdem, wie schwer Lepra verläuft, kann nur die Haut betroffen sein oder sogar Nervenlähmungen eintreten.

Die möglichen Symptome von Lepra:

  • rote (bei Menschen mit heller Hautfarbe) oder helle Hautflecken (bei Menschen mit dunkler Hautfarbe)

  • Tastempfinden geht verloren – Schmerzen, Berührungen und Kälte- sowie Hitzereize kann der Körper nicht mehr registrieren, dadurch kommt es unwillkürlich zu zahlreichen Verletzungen.

  • Schwellungen treten auf, die sich zu knotigen Geschwüren entwickeln. Vor allem Gesicht und Extremitäten können betroffen sein.

Die früher landläufige Meinung, dass durch Lepra Finger und Zehen abfallen, stimmt übrigens nicht. Diese Verstümmelungen sind nur eine indirekte Folge des Tastsinn-Verlustes. Er führt dazu, dass Verletzungen nicht bemerkt werden, sich die Wunde infiziert und unbehandelt Gewebe abstirbt.

Rechtzeitig erkannt ist Lepra heilbar. Entsprechende Antibiotika, die oft kombiniert werden, bringen die Krankheit zum Stillstand. Allerdings müssen die Lepra-Medikamente oft sechs Monate oder länger eingenommen werden.

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