26.08.2016

RÄTSELHAFTE KRÄMPFE Epilepsie – Symptome werden oft nicht erkannt

Monika Preuk

Epilepsie geht nicht immer mit Krämpfen einher, sondern äußert sich auch durch subtilere Anzeichen.

Foto: ©iStock/marvinh

Epilepsie geht nicht immer mit Krämpfen einher, sondern äußert sich auch durch subtilere Anzeichen.

Epilepsieanfälle müssen nicht immer mit Krämpfen einhergehen. Es gibt Symptome, die weniger auffällig sind und deshalb nicht erkannt werden.

Ein Mann fällt auf der Straße um, verfällt in Zuckungen und Krämpfe, das Gesicht ist verzerrt und die Augen verdreht. Meist handelt es sich dabei um einen Epilepsieanfall und ein Arzt sollte so rasch wie möglich gerufen werden. In der Zwischenzeit kann man nur verhindern, dass sich der Epileptiker verletzt, also harte und scharfkantige Gegenstände aus der direkten Umgebung entfernen oder abpolstern und beengende Kleidung lockern. Krampfende Personen niemals festhalten.

Warum die Symptome bei Epilepsie so unterschiedlich sind

Doch häufig sind die Symptome einer Epilepsie nicht so eindeutig. Denn es kommt darauf an, welche Gehirnregion betroffen ist und wie weit sie sich im Gehirn ausbreitet. Die Ursache dieser vorübergehenden Funktionsstörung im Gehirn ist eine Irritation der Nervenzellen (Neuronen). Das Zusammenspiel von Erregungsbildung und Erregungsbegrenzung ist gestört. Es kommt zu unkontrollierten Entladungen der Neuronen.

Je nach Ausbreitung der Störung führen Epilepsien zu unterschiedlichen Symptomen, die anfallsartig auftreten. Medizinisch werden sie dem entsprechend in zwei große Gruppen eingeteilt:

  • Fokale Epilepsien: Beim Anfall ist nicht das gesamte Gehirn betroffen, sondern nur begrenzte Teile einer Gehirnhälfte.

  • Generalisierte Epilepsien: Die Störung besteht in mehreren funktionellen Zentren in beiden Gehirnhälften.

Allerdings kann ein Anfall fokal beginnen, sich dann rasch ausbreiten und damit zu einem generalisierten Anfall führen.

Symptome des fokalen Anfalls

Allgemein typisch für den fokalen epileptischen Anfalls können sein:

  • automatische, ständig wiederholte Bewegungen wie Kauen oder Schmatzen

  • Wahrnehmungsstörungen

  • Sehstörungen wie Lichtblitze

  • Aggressivität

  • volles Bewusstsein (einfach fokale Anfälle)

  • getrübtes Bewusstsein (komplex fokale Anfälle)

  • Zuckungen von Arm und Bein auf der rechten oder linken Seite

Krampfanfälle im Kindesalter: Rolando-Epilepsie

Eine spezielle Form der fokalen Epilepsie betrifft Kinder – die Rolando-Epilepsie. Die Anfälle ereignen sich meist aus dem Schlaf heraus, gehen einher mit:

  • Gefühlsstörungen im Gesicht

  • Kribbeln (Ameisenlaufen)

  • Taubheitsgefühle

  • Muskelzuckungen einer Gesichtshälfte

Symptome des generalisierten Anfalls

Besonders dramatisch sind dabei die Symptome des so genannten Grand-Mal-Anfalls:

  • tiefe Bewusstlosigkeit

  • starke Muskelanspannung

  • Verkrampfung des ganzen Körpers

  • Zuckungen am ganzen Körper

  • der Atem stockt kurzfristig

  • vermehrte Speichelbildung

Eine andere Form der generalisierten Epilepsie führt dagegen zu Bewusstseinsstörungen (Absence). Der Betroffene ist für wenige Sekunden geistig weggetreten, hält in seiner Tätigkeit inne und nimmt sie nach Ende des Anfalls wieder auf, als wäre nichts gewesen.

Epilepsie – die Behandlung

Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen, neurologischen Erkrankungen. Sie haben nichts mit geistiger Behinderung zu tun. Fünf Prozent aller Menschen haben einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Bei einem Prozent treten die Anfälle häufiger auf. Dann erst spricht man von Epilepsie. In Deutschland sind das bis zu 800.000 Menschen.

Früher war das Krampfleiden, veraltet als Fallsucht bezeichnet, kaum zu behandeln. Heute machen Medikamente und manchmal auch eine Operation 80 Prozent der Epileptiker anfallsfrei.

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