10.11.2016

INTERVIEW Ein Schlaganfall lässt sich vermeiden

Die richtige Vorsorge ist entscheidend, um Schlaganfälle zu verhindern.

Foto: iStock / KatarzynaBialasiewicz

Die richtige Vorsorge ist entscheidend, um Schlaganfälle zu verhindern.

Zwei von drei Schlaganfällen können bei richtiger und schneller Reaktion verhindert werden. Die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen setzt sich für eine bessere Aufklärung ein.

 

bildderfrau.de: Liebe Frau Keck, Sie sind Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen. Welches Anliegen hat diese Organisation und mit wem arbeiten Sie zusammen?

Barbara Keck: Richtig, bei mir dreht sich alles rund ums Älter werden. Das Ziel der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) ist es, im Alter möglichst lange gesundheitlich fit zu bleiben und Erkrankungen gut in den Griff zu bekommen. So schauen wir, was die Menschen schon wissen und welche Informationen und weitere Unterstützung sie benötigen. Zu diesem Zweck führen wir als Servicegesellschaft der BAGSO Studien durch. Die Ergebnisse der Studien nutzen wir, um patientengerechte Informationen und Maßnahmen zu entwickeln.

Im Rahmen der Initiative Schlaganfallvorsorge hat die BAGSO im Frühjahr dieses Jahres mit über 1.200 Befragten eine Umfrage zum Thema Risikofaktoren und Anzeichen für einen Schlaganfall durchgeführt. Was war der Grund für diese Initiative und an wen richtet sie sich?

Jedes Jahr ereignen sich in Deutschlang ca. 270.000 Schlaganfälle. Die meisten der Schlaganfall-Patienten sind über 60 Jahre alt. Dabei könnten 2 von 3 Schlaganfällen verhindert werden, wenn die Prävention unter besseren Bedingungen stattfinden würde. Wir als Initiative möchten uns dafür einsetzen, die Zahl der Schlaganfälle in Deutschland zu verringern und so mehr Menschen ein gesundes Altern zu ermöglichen.

Mit der Befragung wollten wir uns einen Überblick darüber verschaffen, was Menschen über dieses Thema bereits wissen - und was nicht. So können wir die Informationen möglichst nah an den Menschen ausrichten und die Wissenslücken schließen.

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Die Ergebnisse haben gezeigt: Sowohl die Risikofaktoren als auch die Anzeichen eines Schlaganfalls waren den Befragten oft nur unzureichend bekannt. Gerade in der betroffenen Altersklasse, also ab dem 50. Lebensjahr, wussten immer weniger Befragte, welche Symptome und Risiken für einen Schlaganfall ausschlaggebend sind. Warum ist das so und welches Problem sehen Sie darin?

Wir stellen nach wie vor fest, dass viele Gesundheitsinformationen besonders ältere Menschen nicht erreichen. Das kann viele Ursachen haben: so können beispielsweise zu umfassende, schwer verständliche Texte mit vielen Fremdwörtern und einer zu kleinen Schrift den Zugang zu Informationen erschweren.

Die Informationen sollten daher vielmehr die Bedürfnisse und Gefühle der Menschen aufgreifen, die sie auch erreichen sollen.

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Warum ist eine erfolgreiche Aufklärung in diesem Zusammenhang so wichtig?

Gesundheitliche Vorsorge kann nur funktionieren, wenn die Menschen um die positiven Effekte und die Möglichkeiten wissen, die damit einhergehen. Wenn ich als Patientin nicht weiß, dass z.B. Diabetes, Vorhofflimmern oder zu wenig Bewegung mein Schlaganfallrisiko erhöhen, ändere ich auch nicht meine Lebensgewohnheiten.

Wir möchten Patientinnen und Patienten stärken, sich zu informieren und ihre Gesundheit ein Stück weit selbst in die Hand zu nehmen. Dies kann nur gelingen, wenn die Menschen auch mit guten Gesundheits-Informationen versorgt werden.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den Ergebnissen der Umfrage?

Die Umfrage zeigt, dass wir in unserer Aufklärungsarbeit noch weitermachen müssen. Es ist zwar sehr gut, dass beinahe alle Befragten angeben, dass sie bei einem Verdacht auf einen Schlaganfall den Notruf wählen. Aber wenn die Anzeichen für einen Schlaganfall nicht bekannt sind, können Menschen die Situation auch nicht richtig einschätzen und dementsprechend richtig handeln.

Über 90 Prozent der Befragten wussten, dass Bluthochdruck zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall zählt. Doch welche weiteren Risikofaktoren sind ebenfalls ausschlaggebend?

Der zweitwichtigste Risikofaktor nach dem Bluthochdruck ist Vorhofflimmern. Diese Herzrhythmuserkrankung erhöht das Schlaganfallrisiko um das 5-fache. Hat man Diabetes mellitus, steigt das Risiko um das zwei- bis dreifache. Auch Fettstoffwechselstörungen, Rauchen und Übergewicht erhöhen das Risiko. Daneben gibt es Faktoren, die unbeeinflussbar sind, wie das Alter oder genetische Voraussetzungen.

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Gibt es unterschiedliche Risikofaktoren bei Frauen und Männern?

Generell gelten diese Risikofaktoren für Frauen und Männer gleichermaßen. Zudem gibt es Risikofaktoren, die nur Frauen betreffen wie eine Schwangerschaft und das frühe Einsetzen der Wechseljahre. Auch sind Frauen, die mit der Pille verhüten und parallel rauchen, Übergewicht oder Diabetes haben, einem erhöhten Schlaganfall-Risiko ausgesetzt.

Woran erkenne ich, dass jemand akut einen Schlaganfall erleidet?

Es gibt verschiedene Symptome, die auf einen Schlaganfall hinweisen: Dazu gehören Sehstörungen, Schwindel, Lähmung und Taubheitsgefühl, aber auch sehr starker Kopfschmerz oder Sprach- und Sprachverständnisstörungen. Auch untypische Anzeichen wie Benommenheit, Desorientierung, Übelkeit oder allgemeines Schwächeempfinden können auftreten.

Mithilfe eines einfachen Tests, des so genannten FAST-Tests, kann man wichtige und typische Schlaganfallsymptome schnell überprüfen. Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln, beide Arme gleichzeitig zu heben und einen einfachen Satz nachzusprechen. Wenn die betroffene Person mit einer der Aufgaben Probleme hat, z. B. ein Mundwinkel beim Lächeln herunterhängt oder undeutlich spricht, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall – wählen Sie sofort den Notruf 112, denn jeder Schlaganfall ist ein Notfall!

Selbst wenn die Symptome wieder abklingen, sollte der Betroffene sich untersuchen lassen, um einen Schlaganfall auszuschließen.

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Wo können unsere Leser/innen mehr Informationen über Ihre Initiative finden?

Auf der Website der Initiative Schlaganfallvorsorge finden Interessierte nützliche Informationen. Zudem finden sie dort ausführliches Informationsmaterial in Form von Broschüren, Infografiken und Flyern, die man herunterladen oder telefonisch bestellen kann.

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Vielen Dank für das Interview!

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