18.04.2016

Essstörungen Magersucht - wenn der Gewichtsverlust zur Krankheit wird

Foto: istock / shironosov

Die Magersucht ist eine Essstörung, die durch starken Gewichtsverlust charakterisiert ist, den die Betroffenen bewusst herbeiführen und sich nicht selten damit in Lebensgefahr bringen.

Magersucht ist eine Essstörung, deren charakteristisches Merkmal ein massiver Gewichtsverlust ist, den die Betroffenen bewusst herbeiführen. Erreicht wird das Untergewicht durch Hungern und eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme, durch übertriebene sportliche Aktivitäten sowie eine Kombination aus beiden Komponenten.

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Um die Gewichtsabnahme zu beschleunigen, werden Appetitzügler, entwässernde Medikamente und Abführmittel eingenommen, wobei die weitere Gewichtsabnahme akribisch mit einer Personenwaage überprüft wird. Der Kopf regiert den Körper, was sich auf alle Lebensbereiche auswirkt. Nicht nur in Bezug auf das Essen ist die Lebensweise sehr spartanisch, zwanghaft und kontrolliert. Das gilt auch für die Körperpflege. Manche Magersüchtige reduzieren nicht nur dramatisch die Nahrungsaufnahme, sondern auch das Trinken. Es beginnt ein Rückzug von der Familie und von Freunden. Entspannung und Beschäftigungen, die Spaß machen werden auf ein Minimum reduziert, die Welt wird schwarz oder weiß und schließlich kommt es zu depressiven Verstimmungen.

Wer am häufigsten von einer Magersucht betroffen ist und was dahinter steckt

Insbesondere bei jungen Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren tritt Magersucht am häufigsten auf. Der in den Medien propagierte Schlankheitswahn zieht jedoch immer weitere Kreise und erreicht mittlerweile alle Altersgruppen. Immer häufiger leiden auch jüngere Mädchen an Magersucht, und auch reifere Frauen jenseits der 40 sind von Magersucht betroffen ebenso wie junge Männer. Der Body-Maß-Index (BMI) liegt bei magersüchtigen Erwachsenen höchstens bei einem Wert unter 18,5. Werte bis 25 kennzeichnen Normalgewicht und darüber hinausgehende Werte sind ein Indiz für Übergewicht.

Wie der Name bereits sagt ist Magersucht eine Sucht. Es ist das Streben nach Dünnsein, um mehr Anerkennung zu erhalten, mehr Liebe und Zuwendung und auch der Wunsch, perfekter zu sein als andere. Diese totale Kontrolle bedingt das scheinbare Gefühl, eigenständig und unabhängig zu sein und alles im Griff zu haben. Was zunächst harmlos beginnt, kann sich verselbständigen und zu einem Teufelskreis werden, aus dem es von allein kaum ein Entrinnen mehr gibt. Die Belohnung für die Gewichtsabnahme, nämlich die Anerkennung, bleibt aus, dennoch versuchen die Betroffenen, weiter abzunehmen, da eine Gewichtszunahme starke Ängste verursacht.

Die gesundheitlichen Folgen der Magersucht

Das gestörte Essverhalten und die durch Abführmittel und harntreibende Medikamente unterstützte Gewichtsabnahme führen zunächst zu einem Mangel an lebensnotwendigen Elektrolyten wie Kalium, Magnesium und Kochsalz. Die geringe Elektrolytkonzentration und eine Destabilisierung des Säure-Basen-Haushalts überfordern die Nierenfunktion sowie die Funktionen anderer Organe.

Eine geschädigte Niere reagiert mit Wassereinlagerungen im Gewebe und büßt immer mehr ihre Funktion ein, Abbauprodukte über den Urin auszuscheiden. Häufig reduzieren Magersüchtige auch noch die Flüssigkeitsaufnahme, um das Gewicht zu reduzieren. Der Harnsäurespiegel steigt, was durch die gestörte Nierenfunktion begünstigt wird, und eine Gichterkrankung kann die Folge sein. Auch durch einen über Jahre andauernden Kaliummangel kann es schließlich zu einer chronischen Niereninsuffizienz bis zum vollständigen Nierenversagen kommen.

Eine häufige Folge sind auch Durchblutungsstörungen sowie eine Störung des Hormonhaushalts. Bei vielen Frauen bleibt die Monatsblutung aus, während Männer von Potenzstörungen betroffen sein können. Wer nun glaubt, dass hierfür Jahre notwendig sind, irrt. Tatsächlich kann es bereits bei einer beginnenden Magersucht zu einer Veränderung der Sexualhormone kommen, deren Folge eine Einschränkung der Fruchtbarkeit sein kann, die in rund 20 Prozent der Fälle auch nach dem Überwinden der Magersucht dauerhaft bestehen bleibt.

Besonders schwerwiegend ist der durch die Magersucht bedingte Mangel an Vitamin D, der zu Störungen des Knochenstoffwechsels führen kann. Es kommt zu einer Knochenerweichung, der sogenannten Osteomalazie, sowie zu einer Verminderung der Knochengrundsubstanz, besser bekannt unter dem Namen Osteoporose. Infolgedessen kann es schon nach minimalen Stürzen zu Knochenbrüchen kommen. Auch körperliche Missbildungen wie Trommelschlegelfinger oder Trommelschlegelzehen können eine Folge der Magersucht sein.

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