19.03.2016

Schwangerschaft Schwanger mit 40: Ein Risiko?

Foto: © iStock / AleksandarNakic

Wer mit 40 ein Kind bekommt, muss sich nicht nur teilweise über fragwürdige Blicke ärgern, sondern auch mit hohen Risiken leben. Frauen mit 40 haben nämlich doppelt so oft Fehlgeburten wie 30-jährige. Weniger fruchtbar sind sie deshalb aber noch lange nicht!

 

Dass sich Frauen mittlerweile aussuchen können, ob und wann sie mit der Familienplanung beginnen, haben sie der Emanzipation zu verdanken. 40-Jährige stehen heutzutage mitten im Leben, haben einen tollen Job und sind unabhängig. Wenn der Wunsch nach Nachwuchs dann doch noch kommt, ist die Panik oft groß. Klappt das überhaupt noch mit der Schwangerschaft ab 35? Sind die Risiken nicht zu hoch, um mit 40 noch schwanger zu werden? Ärzte sind gegenüber Schwangerschaften in diesem Alter oft skeptisch. Immer wieder heißt es, ab dem 30. Lebensjahr, spätestens aber ab dem 35. nimmt die Fruchtbarkeit der Frau drastisch ab. Die biologische Uhr tickt bei Frauen also besonders laut. Oder?

Die amerikanische Psychologin und Wissenschaftsautorin Jean Twenge glaubte nicht daran und forschte nach, woher die viel zitierten Statistiken eigentlich kommen. Sie fand heraus, dass fast immer die gleichen Zahlen genannt werden. Zum Beispiel: Eine von drei 35- bis 40-Jährigen wird innerhalb eines Jahres nicht schwanger. Sie alle berufen sich jedoch auf eine Studie, die 2004 im Journal „Human Reproduction“ gedruckt wurde. Und die Datenbasis, auf der diese Studie beruht, bezieht sich auf französische Geburtsregistereinträge aus den Jahren zwischen 1670 und 1830! Eines ist sicher: Diese Zahlen dürften ohne Frage längst überholt sein. Allein die Lebenserwartung hat sich verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht!

Die biologische Uhr

Jean Twenge ist entsetzt über das Ergebnis und forscht weiter. Tatsächlich stößt sie auch auf neuere Untersuchungen. Und die ergeben ein anderes Bild. David Dunson veröffentlichte 2004 in „Obstetrics & Gynecology“ eine Untersuchung, deren Grundlage die aktuellen Daten von 770 Frauen aus Europa sind. Diese Untersuchung zeigt, dass die Fruchtbarkeit von 35-jährigen Frauen sich nur um vier Prozent von 25-jährigen Frauen unterscheidet, vorausgesetzt, sie haben zwei Mal in der Woche Sex.

Auch die Studie von Anne Steiner von der Universität von North Carolina bestätigt, dass die Fruchtbarkeit der Frauen in den 30ern durchaus noch hoch ist. Von den Studienteilnehmerinnen zwischen 38 und 39 Jahren, die schon Mutter waren und ein normales Gewicht hatten, wurden 80 Prozent innerhalb von sechs Monaten auf ganz natürliche Weise schwanger. Darum ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass die Geburtenrate bei Frauen über 40 stetig steigt. Der Gender Datenreport der Bundesregierung zeigt, dass 1991 nur 0,8 Prozent der erstgeborenen Kinder eine Mutter haben, die älter als 40 Jahre war. Im Jahr 2000 waren es 1,8 Prozent und 2003 schon 3,9 Prozent. Heute werden in Deutschland jährlich rund 20.000 Kinder geboren, deren Mütter 40 oder älter sind.

Höheres Risiko

Wer sich später für ein Kind entscheidet, muss zwar keine Angst haben, dass es nicht klappt, dafür aber mit höheren Risiken rechnen. Frauen ab 35 Jahren haben eine Risikoschwangerschaft, weil sie eher an Schwangerschaftsdiabetes, hohem Blutdruck und einer Plazentaschwäche leiden. Das höhere Risiko einer Chromosomen-Anomalie, wie etwa Trisomie 21 (Down-Syndrom), besteht ebenfalls. Ist die werdende Mutter 31, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:800, ist sie 40, bereits bei 1:100. Ältere Schwangere werden daher feindiagnostisch gründlicher untersucht.

>> Down-Syndrom – Symptome und Ursachen

Für Frauen über 40 ist es also kein Problem, sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Sowohl ihre biologische Uhr als auch die ärztliche Versorgung können eine reibungslose Schwangerschaft und Geburt ermöglichen.

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