04.12.2015

Weiße Rosen Helle Köpfchen mit tiefgehender Bedeutung

Foto: © iStock / Catherine Lane

Rosen gelten als die Botschafter unter den Blumen schlechthin. Neben der Anzahl der einzelnen Stängel und dem Entwicklungszustand der Blüten entscheidet oft auch deren Farbe über die stumme Aussage eines überreichten Gebindes. Doch besonders bei weißen Rosen ist Vorsicht geboten, denn diese Exemplare haben je nach Kulturkreis und Kontext eine recht gegensätzliche Bedeutung.

Während die Rose bei keltischen und germanischen Stämmen vor allem wegen ihrer wohlschmeckenden Fruchtstände beliebt war, genoss sie bei anderen Völkern zur gleichen Zeit bereits Kultstatus. Berühmte Rosengärten wie die Anlagen des Yan Kaisers Shennong oder die Anpflanzungen unter Ägyptens Herrscher Ramses II. belegen, dass die duftenden Blüten im asiatischen Raum schon lange geschätzt wurden. Hier dienten sie als Zierpflanzen und lieferten die Grundlage für hochwirksame Duft-, Pflege- oder Heilöle.

In der Funktion eines medizinischen Rohstoffes gelangten sie schließlich auch nach Europa, wo die griechische Dichterin Sappho den geflügelten Begriff "Königin aller Blumen" prägte. Als solche fand die Rose Eingang in die klassische Dichtkunst und wurde zum Gegenstand zahlreicher Geschichten.

Eine dieser Geschichten erzählt, warum ausgerechnet diese Pflanze zum Inbegriff zärtlicher Gefühle wurde: Als Aphrodite - die Patronin der Liebe, der Schönheit und des sinnlichen Begehrens - aus Meerschaum erschaffen wurde, war sie nackt wie jedes Neugeborene. Als ihr diese Nacktheit bewusst wurde, versuchte die Göttin, ihre Blöße hinter einem Busch zu verbergen. Zufällig handelte es sich bei dem Gewächs um einen Rosenstrauch mit herrlichen weißen Blüten. Durch diesen Mythos gestärkt, wird auch heute noch die reine, unverfälschte Liebe und jugendliche Schönheit mit weißen Rosen assoziiert.

Diese Symbolkraft wurde im später aufkommenden Christentum zu lebenslanger Loyalität überhöht. Hier gelten weiße Rosen bis heute als Zeichen unerschütterlicher Treue. Sie stehen daher sowohl für die Liebe Marias zu ihrem Sohn Jesus als auch für die Verbundenheit zwischen Eheleuten. Ein Grund dafür, dass weiße Rosen sich überdurchschnittlich häufig in Grabgestecken oder -sträußen wiederfinden.

Eine ähnliche Bedeutung haben die Blüten in der Heraldik und in der Architektur. Obwohl ihre Farbe auf Wappen oder der Fassade von Gebäuden nicht immer eindeutig zu erkennen ist, stehen Rosen in diesen Bereichen ebenfalls für Treue und die damit einhergehende Verschwiegenheit. Eine Eigenschaft, durch die sich Angehörige des Ritterstandes und des Bauhüttenwesens gleichermaßen auszeichneten.

Immer wieder erfahren die Blumen in ihrer Symbolik eine erweiterte Aussagekraft: Die Geschwister Scholl wählten für ihre antifaschistische Widerstandsgruppe im Zweiten Weltkrieg den Namen "Weiße Rose". Seither steht das helle Gewächs auch für Toleranz und Humanität. Bei Demonstrationen oder Gedenkfeiern erinnern weiße Rosen an bereits verstorbene Personen, sie symbolisieren hier wieder die Treue über den Tod hinaus.

Aphrodite selbst nahm es mit der Treue allerdings nicht so genau - so wurde die weiße Rose in ihrer Symbolik um die rote Rose erweitert: Obwohl Aphrodite verheiratet war, unterhielt sie Kontakt zu zahlreichen weiteren Männern. Einer von ihnen - der schöne Adonis - fiel einem aufgescheuchten Eber zum Opfer und verblutete in den Armen seiner göttlichen Geliebten. Die austretenden Tropfen färbten die Blüten des ihr geweihten Rosenstrauches rot und führten dazu, dass rote Exemplare für die leidenschaftliche Seite der Liebe stehen.

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