06.01.2013

Vier Millionen Kranke gibt es offiziell – doch die Dunkelziffer ist viel höher! Erschreckend In 50 Prozent der Fälle wird die Erkrankung gar nicht erkannt, folglich auch falsch behandelt. Dabei zeigen Kombi-Therapien gute Erfolge.

Vier Millionen Kranke gibt es offiziell – doch die Dunkelziffer ist viel höher! Erschreckend: In 50 Prozent der Fälle wird die Erkrankung gar nicht erkannt, folglich auch falsch behandelt. Dabei zeigen Kombi-Therapien gute Erfolge.

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Jeder kennt Tage oder Phasen, in denen er sich unglücklich, mutlos, traurig fühlt. Das gehört zum Leben dazu – und es geht auch vorüber. Die meisten schaffen es aus eigener Kraft, den Grauschleier beiseite zu ziehen. Doch wer gefangen ist in einem Tunnel aus oft unerklärlicher Hoffnungslosigkeit, aus Verzweiflung, der findet allein nicht mehr heraus. „Wer an Depression erkrankt, braucht unbedingt ärztliche Hilfe“, erklärt Prof. Ulrich Hegerl aus Leipzig. Der Depressions-Experte beantwortet hier die wichtigsten Fragen zur heimlichen Volkskrankheit.

Woran erkenne ich eine Depression?
Alarmsignale sind z.B. länger als 14 Tage anhaltende Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, tiefe Hoffnungslosigkeit, Ängste, ständige Grübeleien und negative Gedanken. Man fühlt sich innerlich leer, wie versteinert, kann sich über nichts freuen, hat keinen Schwung mehr. Der normale Alltag wird zur Belastung. Viele Betroffene fühlen sich schuldig an ihrem Zustand und als Versager. Auch körperliche Beschwerden treten häufig auf, z.B. Kopf-, Rückenschmerzen oder Atemstörungen. Diese können die zugrundeliegende Depression verdecken und die Diagnose erschweren.


Was sind die Ursachen?
Das ist noch nicht eindeutig geklärt. Auf der körperlichen Seite scheinen die Hirnbotenstoffe Serotonin und Noradrenalin und die Gene eine Rolle zu spielen. Auf der psychischen Seite kommen kritische Lebensereignisse als Auslöser infrage: der Verlust des geliebten Partners, Arbeitslosigkeit, eine schwere Erkrankung.


Auch ständige Überforderung kann Wegbereiter sein, aber auch Positives wie eine bestandene Prüfung. Ganz klar ist aber: Depressionen können jeden treffen und haben nichts mit persönlichem Versagen zu tun.

Welche Therapien helfen?
Sogenannte Antidepressiva bringen die Hirnbotenstoffe ins Lot. Sie werden in schweren Fällen gegeben, um die akute Phase der Erkrankung zum Abklingen zu bringen und dem Wiederauftreten vorzubeugen. In leichteren Fällen kommen auch hochdosierte Johanniskrautpräparate infrage. Die zweite Säule der Behandlung ist die Psychotherapie. Dabei lernen die Patienten z.B. mit Gesprächen und Übungen, wie sie negative Gedankenkreise durchbrechen, ihre Interessen durchsetzen, den Alltag strukturieren und sich vor Überforderung schützen. Unterstützend werden auch Lichttherapie und Entspannungsübungen eingesetzt.

Welcher Arzt sollte behandeln?

Als Fachärzte sind Psychiater und Nervenärzte zuständig. Psychotherapie wird auch von speziell ausgebildeten Psychologen, den „psychologischen Psychotherapeuten“ angeboten. Die Krankenkassen helfen bei der Suche.

Was können Angehörige tun?
Ganz wichtig: sich gut über die Krankheit informieren, denn sie verändert die Betroffenen. Auf Ratschläge wie „Reiß dich zusammen, mach mal Urlaub“ verzichten – das verstärkt die Schuldgefühle. Sich klarmachen, dass liebevolle Zuwendung allein nicht reicht, um Depressionen zu heilen. Was hilft: für den Kranken die Initiative ergreifen und einen Arzttermin vereinbaren.


Vor allem Frauen sind betroffen. Laut Statistik doppelt so viele wie Männer. Warum?
Frauen sind empfindsamer, viele schlucken Wut und Ärger häufig herunter, können sich schlecht abgrenzen. Und sie sprechen beim Arzt eher Ängste und Stimmungsschwankungen an, bekommen dadurch schneller die Diagnose. Viele Männer erzählen nur von körperlichen Beschwerden. So bleibt die eigentliche Erkrankung unerkannt.


Therapie-Gespräche helfen, negative Gedankenmuster aufzubrechen


Wichtige Infos, Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige:


» SeeleFon, bundesweite Selbsthilfe-Beratung zu psychischen Erkrankungen, Tel. 0180/5950951 (14 Cent pro Minute aus dem dt. Festnetz)

» Stiftung Deutsche Depressionshilfe, www.deutsche-depressionshilfe.de
(mit rege genutztem Online-Patientenforum)


» Buchtipp: Prof. Ulrich Hegerl/Svenja Niescken: „Depressionen bewältigen – die Lebensfreude wiederfinden“, 2. Aufl., Trias Verlag, 19,95 Euro




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