01.07.2011

Schönheits-OP Der Test

Wie viel Seriosität darf man voraussetzen, wenn man die Praxis eines Schönheitschirurgen betritt? BILD der FRAU und die Verbraucherzentrale Hamburg machten den Test – die Ergebnisse sind besorgniserregend.

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Die Nachfrage nach Schönheits-OPs steigt: Immer mehr Frauen möchten „was machen lassen“. Mehr Busen, weniger Bauch, prallere Lippen: Kaum ein Körperteil, verspricht die Beauty-Chirurgie, das sich nicht mittels einer Schönheits-OP optimieren lässt. Aber ist auch jeder Eingriff wirklich sinnvoll und ungefährlich? Wie seriös beraten die Chirurgen ihre Patientinnen?

Um das herauszufinden, startete BILD der FRAU gemeinsam mit den Experten der Verbraucherzentrale Hamburg einen bundesweiten Test: Eine junge Frau wollte sich in einer Schönheits-OP die Brust vergrößern lassen. Dieser Eingriff gehört zu den beliebtesten unter den jährlich etwa 1,1 Millionen Schönheitsoperationen.

Die Testerin

Studentin Svenja ist 26 Jahre, hat einen optimalen Körperbau und schöne Brüste (BH-Größe 75 B). Für unseren Test suchte sie 26 Fachärzte für plastische und ästhetische Chirurgie in sieben deutschen Städten (Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, München, Stuttgart) auf und bat um eine Brustvergrößerung.


Die Testschwerpunkte: Hat sich der Arzt intensiv nach der Motivation der Patientin erkundigt, also eine durchdachte Begründung verlangt? Hat er mögliche Folgen und Risiken einer Schönheits-OP ausführlich erklärt? Und: Hat er über die Kosten und vor allem auch mögliche Folgekosten einer Schönheits-OP umfassend informiert?


Alle Ärzte gehören einer der drei deutschen Fachgesellschaften für plastische Chirurgie an. Dort hätte es also die bestmögliche Beratung geben müssen. Nach jedem Gespräch füllte Svenja einen Fragebogen aus, der in 18 Kriterien unterteilt war. Diesen Bogen hat der Fachbereich Gesundheit der Verbraucherzentrale Hamburg auf Grundlage von Rechtsprechung, Patienten-Aufklärungsbögen und Empfehlungen der Berufsverbände zusammengestellt.

Zehn Mal gab es die Note „Ganz schlecht“

Das Ergebnis des Tests: Kein einziger Arzt erfüllte alle Anforderungen an eine umfassende Aufklärung. Egal, ob die Beratung 20 oder 120 Minuten dauerte. Auch die veranschlagten Kosten verraten nichts über die Qualität der Behandlung: „Einer verlangte 5000 Euro für die OP, ein anderer 7200 Euro – vor Risiken haben mich beide nicht gewarnt“, berichtet Svenja.


Zehn Ärzte berieten „ganz schlecht“, auf einer Schulnoten-Skala von Eins bis Fünf bekamen sie Note Fünf. Sie erfüllten weniger als 50 Prozent der Vorgaben.


Nur vereinzelt erklärte mal ein Arzt einen Teilbereich genauer: „Einer meinte immerhin, ich solle die Entscheidung noch mal überdenken, dann wiederkommen.“ Eine „schlechte Beratung“ (Note Vier, weniger als 70 Prozent) boten elf Ärzte. Immerhin „mittelmäßig“ (Note Drei, 70 bis 85 Prozent) berieten vier Ärzte. Sie schlampten „nur“ bei den Erklärungen von möglichen Nebenwirkungen der Schönheits-OP.



Der Test



Unser Service:
» Hier können Sie die Studie der Verbraucherzentrale als PDF herunterladen und ausdrucken.

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