28.12.2016

Silvester international Andere Länder – andere Silvester-Sitten

der Redaktion

In Polen gibt es keine Silvester-Hektik.

Foto: iStock/FilippoBacci

In Polen gibt es keine Silvester-Hektik.

Rote Unterwäsche, Glücksspiel und Schläge auf den Rücken – so verschieden die Kulturen, so unterschiedlich auch ihre Silvester-Traditionen.

Dabei müssen wir gar nicht weit schauen, um Silvester-Bräuche zu entdecken, die uns fremd oder sogar bizarr erscheinen. Bulgaren lassen sich mit Ästen auf den Rücken schlagen, polnische Frauen streuen sich Mohn in die Schuhe und Spanier schlingen 12 Trauben herunter. Und immer wieder tauchen Linsengerichte auf. Warum, erfahren Sie beim aufmerksamen Lesen der Silvester-Sitten in anderen Ländern.

Aber was machen Sie eigentlich an Silvester? Vielleicht erfahren Sie auch Neues über unsere eigenen Silvester-Bräuche. Na dann: „Guten Rutsch!“

>> Silvester: Rutschen Sie gut ins neue Jahr

Spanien

Die Spanier bevorzugen den Schaumwein zu Mitternacht in Form von frischen Früchten. Weintrauben gehören bei ihnen zu Silvester nicht nur als Deko aufs Buffet. Vielmehr sind sie Mittelpunkt und Glücksbringer in der Neujahrsnacht. Um Mitternacht isst man zu jedem Glockenschlag eine Traube. Verzählen bringt Unglück! Um auf Nummer sicher zu gehen, gibt es in Spanien kurz vor Silvester Trauben im Zwölferpack zu kaufen. Nach dem Traubenschmaus stoßen die Spanier dann aber doch noch mit Sekt an – ein goldener Ring im Kelch bringt zusätzlich Glück.

Brasilien

Die Brasilianer haben sich zum Jahreswechsel auf eine Farbe geeinigt: Jeder trägt Weiß, als ein Symbol für Reinheit und Frieden. Bei Silvester-Partys am Strand, werden traditionell Opfergaben an die Meeresgöttin Yemanjá geschickt. Blumen oder kleine Papierschiffchen mit Kerzen oder Süßigkeiten. Wer dann auch noch knietief ins Wasser watet und über sieben heran rollende Wellen springt, dem erfüllen sich im kommenden Jahr sieben Wünsche.

Griechenland

Die Griechen haben es in der Silvesternacht nicht so sehr mit Symbolik. Hier wird traditionell ganz echt gezockt. Ob zuhause oder im Kasino: vom Abend bis ins neue Jahr hinein bestimmen Karten- und Würfelspiele die Jahreswende. Ein bisschen Aberglaube darf dann aber doch noch sein. Denn wer in dieser Nacht Glück im Spiel hat, dem wird das Schicksal in Bezug auf Reichtum auch in den nächsten zwölf Monaten wohl gesonnen sein.

Argentinien

In Argentinien ist die Silvesternacht schon deshalb eine heiße Angelegenheit, weil sie mitten im Hochsommer liegt. Und dennoch schneit es! Denn in Argentinien ist es an Silvester Brauch, alte Akten und Unterlagen zu Schnipseln zu verarbeiten und sie aus den Fenstern „schneien“ zu lassen. Eine schöne Art, sich von den Altlasten des vergangenen Jahres zu befreien.

Russland

In Russland liegt Silvester vor Weihnachten (7. Januar) und da das christliche Weihnachtsfest lange Zeit abgeschafft war, haben die Russen viele weihnachtliche Traditionen ins Neujahrsfest übernommen. Am 31. Dezember bringt Väterchen Frost die Weihnachtsgeschenke, den Silvesterabend (das Jolka-Fest) verbringen die meisten Russen im Kreise ihrer Verwandten an Tischen, die sich unter Lachs, Kaviar und Wodka biegen. Dazu leuchtet der bunt geschmückte Tannenbaum, die Jolka. Ist man erst einmal mit Sekt und Feuerwerk gut ins neue Jahr hinein gerutscht, wird ganz offiziell bis zum 10. Januar weiter gefeiert.

Schottland

Die Schotten feiern am 31. Dezember das traditionelle Winterfest „Hogmanay“. Zum Jahreswechsel stoßen sie Schotten an, genau wie wir. Allerdings nicht mit Sekt – und das hat wirklich nichts mit Geiz zu tun. Denn im traditionellen Punsch „Hot Pint“ stecken so gute Dinge wie Starkbier, Whisky und Eier. Direkt nach Mitternacht machen sich die Schotten zum Silvester-Brauch „first footing“ auf: Überschreitet ein Nachbar oder Freund die Türschwelle, so bringt dies Glück, für das ganze Jahr. Besonders, wenn es ein großer, dunkelhaariger, gutaussehender Mann ist.

Italien

Im Land des süßen Lebens schlüpft man zu Silvester in rote Unterwäsche. Ob Mann, Frau, ob String oder Boxershorts: Die Farbe Rot –drunter getragen– verspricht dem Träger Glück und Erfolg im kommenden Jahr.

Wer dann auch noch Cottechino (gefüllte Schweinshaxe) mit Linsen serviert der soll im kommenden Jahr zudem auch noch reich werden.

Bulgarien

Diese Silvester-Sitte mutet ruppig an: Schläge auf den Rücken für Reichtum und Gesundheit. Die Glücksrute heißt „Surwatschka“ und ist ein bunt geschmückter Ast des Kornelkirschbaums. Damit ziehen Kinder am Silvesterabend und am Neujahrsmorgen von Haus zu Haus. Die Bewohner lassen sich von den kleinen Glücksbringern nur allzu gern schlagen, denn diese Tradition verspricht ein gesundes, reiches und fruchtbares neues Jahr. Für die Kinder beginnt das Glück bereits in der Haustür: Sie bekommen im Gegenzug für die Schläge Süßigkeiten und Münzen.

Tschechien

Stern oder Kreuz? Glück oder Unheil? Traditionell befragen die Tschechen in der Silvesternacht das uralte tschechische Apfelorakel. Dazu schneiden sie einen Apfel in der Mitte durch und lesen an der Form des Kerngehäuses die Zukunft ab. Das traditionelle tschechische Silvesteressen hat ebenfalls Symbolik. Linsen stehen für Geld und so bringt der Verzehr eines Linsengerichts finanziellen Erfolg im kommenden Jahr.

Polen

In Polen gibt es keine Silvester-Hektik. Laut Tradition darf am 31. Dezember nicht geputzt werden, da Staubtuch und Besen das Glück verscheuchen würden. Stattdessen werden ab Mitternacht alle Türen und Fenster geöffnet, um die guten Geister ins Haus zu lassen. Frauen auf der Suche nach einem Partner streuen sich in der Silvesternacht Mohn in Schuh. Dabei kommt es auf die Dosierung an: Die Anzahl der Mohnkörner steht für die Zahl der Verehrer im kommenden Jahr.

USA

Wie auch in Tschechien gibt es in vielen Regionen der USA, besonders im Süden des Landes, Linsengerichte am Silvesterabend. Die Ähnlichkeit der kleinen Hülsenfrüchte zu Geldmünzen symbolisiert Geldsegen. Eine andere Sitte besagt, dass am Neujahrstag nichts das Haus verlassen darf („Nothing goes out“) – das würde Unglück bringen.

China

Vorm chinesischen Neujahrsfest im Februar, am Tag des ersten Vollmonds nach dem 21. Januar, werden die Häuser mit Bambuszweigen gründlich geputzt. So sollen böse Geister vertrieben werden. Das Haus wird mit roten Papierstreifen und goldenen Glückszeichen dekoriert. Eine Stunde vor Mitternacht öffnen die Bewohner all ihre Fenster, um das neue Jahr hereinzulassen. Ledige Frauen werfen Mandarinen ins Meer, ein Brauch, um im kommenden Jahr den Mann ihres Lebens zu finden.

Japan

Mochis, Klöße aus Klebreis, sind das traditionelle japanische Essen zur Jahreswende. Der Verzehr der Bälle soll Glück bringen. Doch jedes Jahr bringen die Reisklöße einigen Japanern Unglück: Die Bälle bleiben leicht im Hals stecken und führen zum Ersticken.

Frankreich

„Bonne année“ wünschen sich die Franzosen am liebsten im Kreise von Freunden oder Verwandten bei einem köstlichen Abendessen, das sich gerne bis ins neue Jahr hineinzieht. Dabei werden Spezialitäten wie Foie gras (Stopfleber) oder Austern und natürlich Champagner aufgefahren. Böller und Raketen werden dagegen an Silvester eher sparsam eingesetzt. In Paris und anderen Städten ist das Böllern für Privatpersonen sogar verboten. Stattdessen gibt es ein großes öffentliches Silvester-Feuerwerk.

Deutschland

Unsere Silvester-Traditionen kennen wir. Doch welche Bedeutung haben Bleigießen, Böllern und Co.?

Mit dem Radau von Silvester-Raketen und Böllern wollen wir böse Geister vertreiben. Ebenso das alte Jahr, während wir das neue begrüßen. Diese Tradition stammt schon aus der Zeit der Germanen. Beim Bleigießen erhaschen wir einen Blick in die Zukunft, schon die alten Römer kannten diesen Orakelbrauch.

Es gibt die Theorie, dass wir mit dem Schmelzen und Weggießen des Bleies symbolisch alles Schwere, Belastende aus dem alten Jahr hinter uns lassen wollen. Einen „guten Rutsch“ wünschen wir uns nicht, weil wir und den Jahreswechsel als eine lustige Rutschpartie vorstellen. Der Gruß leitet sich vermutlich vom Hebräischen „Rosch ha-Schana tov“: „Einen guten Anfang des Jahres“ oder dem jiddischen „Gut Rosch“ („Rosch“ heißt Kopf, Anfang) ab.

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