Frauen in Indien: „Meine Tochter soll eine Zukunft haben!“

Frauen in Indien: „Meine Tochter soll eine Zukunft haben!“




Eine Frau ist in Indien nicht viel wert. Und sie ist nicht sicher – nicht im Bus, nicht auf der Polizeistation, nicht im Mutterleib. Können die Massenproteste nach der brutalen Vergewaltigung einer jungen Studentin in Neu Delhi daran etwas ändern? Die Hoffnung wächst. Auch bei der „Andheri-Hilfe“ in Madurai – die seit Jahren für mehr Mädchenrechte kämpft.

Die kleine Lakshmi (7 Monate) darf Leben - dank ihrer mutigen Mutter. © Katrin Mordani - Frauen in Indien: „Meine Tochter soll eine Zukunft haben!“
Die kleine Lakshmi (7 Monate) darf Leben - dank ihrer mutigen Mutter. © Katrin Mordani
Selvi (30) steigt jeden Tag über das Grab ihrer Tochter. Immer, wenn sie zum Wäschewaschen aus ihrer Hütte kommt - das Grab ihrer Tochter ist nur eine karge Stelle im Lehmboden. Nur sie weiß, dass dort die Überreste eines Babys liegen. Heimlich hat Selvi den winzigen Körper in einen Lappen gewickelt und verscharrt. Ihre Tochter wurde vergiftet, wenige Stunden nach ihrer Geburt. Vom eigenen Vater. Er riss das Kind voller Zorn aus Selvis Arm - weil es ein Mädchen war.

Eineinhalb Tage später fand sie das Baby tot im Feld. Blut klebte am Mündchen und der Nase, Spuren durch den Tod durch Gift. „Man nimmt hier den Milchsaft aus geschnittenen Oleanderzweigen“, sagt die Mutter mit stockender Stimme. „Man lässt etwas auf seine Finger tropfen, steckt es dem Baby in den Rachen. Es kriegt dann Krämpfe und stirbt.“

Mädchenmord in Indien. Väter bringen ihre Töchter um, weil Töchter für sie eine Last sind - wegen der späteren Pflicht-Mitgift zur Hochzeit. Tut’s nicht der Ehemann, übernimmt die Schwiegermutter. „Es gibt 14 traditionelle Methoden, das Baby zu töten“, berichtet Entwicklungshelferin Daisy (45), die für die „Andheri-Hilfe Bonn“ im Distrikt Madurai im Süden Indiens arbeitet.

Papa Rajakam (35) & Tochter Rama (4)
Papa Rajakam (35) & Tochter Rama (4)
Sie stecken den Mädchen Reiskörner in den Mund, woran sie ersticken. Wickeln sie in ein nasses Tuch und legen sie unter den Ventilator. Sie verbrühen die Babys mit heißer Suppe, lassen sie verhungern, ersticken sie im Tontopf ... Es ist eine unfassbare Liste an Grausamkeiten.

Teya (26) lebt in einem Nachbardorf, sie erzählt: „Schon mein erstes Kind war ein Mädchen, Harini, sie ist heute vier. Für meinen Mann ist sie nichts wert, er wollte einen Sohn.“ Als das nächste Baby wieder ein Mädchen ist, dreht er völlig durch. Eines Morgens ist das Töchterchen einfach weg: „Er hatte eine professionelle Kindsmörderin bestellt.“ Heute kämpft Teya dafür, dass Harini und ihr neues Baby Harishma gesund bleiben, dass sie Chancen bekommen. Daisy und viele andere Frauen aus den umliegenden Dörfern kämpfen mit ihr für mehr Mädchenrechte - unterstützt werden sie dabei von der „Andheri-Hilfe“.

„Wir haben Frauengruppen gegründet - und auch Männer-Selbsthilfegruppen“, erzählt Daisy. Frauen seien traumatisiert, viele Männer verzweifelt. Die deutsche Organisation hilft auch konkret - etwa mit Geld. „Wir vergeben Kredite und suchen Jobs für die Männer.“ Pandy (24), der Mann von Teya, macht gerade eine Ausbildung zum Fahrer. „Ich habe keine Angst mehr“, meint er. „Jetzt kann ich für meine drei Frauen sorgen.“ Er stockt einen Moment. „Ich schäme mich so sehr für das, was ich getan habe. Nie wieder würde ich meiner Tochter etwas antun.“ Seit sieben Jahren arbeitet die „Andheri-Hilfe“ mit Partnerorganisationen daran, dass ein Mädchenleben in Indien sicherer wird. Dass die Gesellschaft mit dunklen Traditionen bricht.

Auch Harini (4) & Harishma (2 Mon., mit Mama Teya, 26) wachsen ohne Angst auf. © Katrin Mordani
Auch Harini (4) & Harishma (2 Mon., mit Mama Teya, 26) wachsen ohne Angst auf. © Katrin Mordani
Die Erfolge machen Mut: „Wir konnten schon über 10.000 Mädchen retten“, sagt Elvira Greiner (50), die Vorsitzende der „Andheri-Hilfe“. Denn in 190 Dörfern gilt die Geburt eines Mädchens nun nicht mehr als Schande: Es wird ein Fest gefeiert, es werden Kokospalmen gepflanzt. Auch eine Ziege gibt es für die Familie. Ziege, Milch, Früchte sind wie eine Sparkasse für die spätere Ausbildung oder Mitgift des Mädchens.

Selvi hat heute zwei Töchter, auf die sie sehr stolz ist: Nesa (4) und Lakshmi (7 Monate). Auch sie wird von der „Andheri-Hilfe“ unterstützt. Ihr Mann, ein Trinker, ist inzwischen abgehauen. „Als ich Nesa bekam, habe ich es nicht mehr zugelassen, dass er sie mir wegnimmt“, sagt sie und streichelt das dunkle Wuschelhaar ihrer Ältesten. Mit Lakshmi kam das endgültige Ehe-Aus. Selvi lebt jetzt mit ihrer Mutter zusammen: „Sie hält zu mir.“ Manchmal, wenn das namenlose Grab vor ihrer Hütte sie sehr traurig macht, nimmt Selvi ihre Mädchen Nesa und Lakshmi ganz fest in den Arm. Dann kann sie wieder lächeln. „Weil ich weiß, dass meine Töchter jetzt eine Zukunft haben. Für sie habe ich gekämpft - und gewonnen!“

Hintergrund: Frauen ohne Rechte

  • Statistisch wird in Indien jede halbe Stunde eine Frau vergewaltigt. Familien sehen ihre vergewaltigten Töchter meist als Schande, Polizisten nehmen die Taten nicht ernst, Prozesse werden jahrelang verschleppt.
  • Zwischen 1980 und 2010 sind bis zu zwölf Millionen Mädchen in Indien abgetrieben worden - weil sich die Familien die spätere Aussteuer nicht leisten können oder wollen.
  • 47 Prozent der Inderinnen heiraten, bevor sie volljährig sind: Je jünger die Braut, desto schmaler darf die Mitgift sein.
  • Auf 1000 Jungen kommen in den ersten sechs Lebensjahren nur 914 Mädchen. Schuld: die geschlechtsspezifische Abtreibung und die systematische Vernachlässigung von Mädchen. Schon heute „fehlen“ in der Generation der 15- bis 35-jährigen Inder 15 Millionen Frauen.

Wenn Sie helfen möchten
Andheri-Hilfe Bonn e.V.,
Tel. 0228/ 9 26 52 50
Sonderkonto Frauenförderung:
Sparkasse Bonn
Konto-Nr.: 61010
BLZ: 370 501 98
www.andheri-hilfe.de

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Der Mord, der die Welt erschüttert
Am 16. Dezember steigt eine 23-jährige Studentin nach einem Kinobesuch in einen Minibus in Neu-Delhi. Begleitet wird sie von ihrem Freund. Beide werden im Bus von sechs jungen Männern angegriffen. Nacheinander vergewaltigen sie die Frau, misshandeln sie mit einer Eisenstange, zerfetzen ihre inneren Organe. Danach wird sie nackt aus dem Bus geworden - sie stirbt einige Tage später im Krankenhaus. Dieser „barbarische Akt“, wie der behandelnde Notarzt die Tat nennt, löst eine Protestwelle aus: Straßenblockaden, Schweigemärsche, Demonstrationen. Erstmals gehen auch Männer auf die Straße und fordern Sicherheit für ihre Frauen, Schwestern, Töchter. Die Politiker werden davon völlig überrascht, reagieren zunächst hilflos - dann mit Härte: Fünf der Täter werden wegen Mordes angeklagt (der sechste ist noch minderjährig), sie kommen vor ein eigens eingerichtetes Schnellgericht.


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Veröffentlicht von der Menschen & Leben-Redaktion
am 15/01/2013

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