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Tanja Heitmann ist die Autorin einer mittlerweile vierteiligen Mystery-Reihe. Lesen Sie hier einen Ausschnitt des Romans "Schattenschwingen".
Nachtglühen
Der Sommer hatte seinen Höhepunkt bereits überschritten, die Tage zogen ruhig dahin. Den Strand hatte ich bislang gemieden. Immer, wenn ich am Wasser war, bog ich direkt zum Hafen ab und warf keinen Blick in seine Richtung.Als schließlich mein sechzehnter Geburtstag vor der Tür stand, versprach er der Unspektakulärste zu werden, den ich jemals erlebt hatte. Ich hatte mich für einen Grillabend mit meinen Eltern und meiner besten Freundin Lena entschieden. Eigentlich hatte ich immer gedacht, an meinem sechzehnten Geburtstag würde ich eine Riesensause schmeißen, doch jetzt kam mir der Gedanke lächerlich vor. Also hatten sich meine Eltern gefügt, obwohl ihre Enttäuschung spürbar gewesen war. Nun stand ich mit Lena in der Küche und schnitt Tomaten für einen Salat klein. „Ach, es ist so gut, zwei brave Mädchen im Haus zu haben.“ Meine Mutter begann, Baguette kleinzuschneiden. „Allerdings finde ich euch ehrlich gesagt ein wenig zu brav. Wollt ihr heute Abend nicht auf diese Strandparty gehen, über die alle reden? Das wird bestimmt eine aufregende Sache. Mit Lagerfeuer und allem drum und dran.“ „Was für eine Party?“, fragte ich wenig interessiert. Allein das Wort „Strand“ reichte aus, damit ich auf Abwehr schaltete. Lena jedoch ging begierig auf das Thema ein. „Na ja, mittlerweile sind viele Leute von unserer Schule aus dem Urlaub zurück und auch einige der Studenten, obwohl das Semester erst Mitte September wieder anfängt. Es wird eine lockere Sache, nichts für die Touris. Ein bisschen Musik, Lagerfeuer ... und die Getränke bringt sich jeder selber mit. Wenn es dämmert, geht es los.“ „Würdest du da gern hingehen?“, fragte ich sie. Allein die Vorstellung schlug mir zwar auf den Magen, aber ich konnte an dem Funkeln in Lenas Augen sehen, dass sie sich nach ein wenig Abwechslung sehnte. Trotzdem sagte sie tapfer: „Muss nicht sein.“ „Aber ich finde, das muss sein!“ Das ansonsten stets so gut gelaunte Gesicht meiner Mutter war mit einem Schlag ernst. „Mila, ich möchte dich wirklich nicht bedrängen, aber du kannst dich doch nicht für immer in deinem Schneckenhaus verkriechen.“ Schuldbewusst nahm ich meine Mutter in die Arme und sagte leise: „Es tut mir leid. Ich wollte dir keine Sorgen machen.“ „Ich weiß“, flüsterte meine Mutter und ein Hauch von ihrem alten Strahlen kehrte in ihr Gesicht zurück. Sie ließ mich los und klatschte in die Hände. „Darauf stoßen wir an, und zwar mit Champagner. Das ist genau die richtige Einstimmung für die Party, auf die ihr beiden heute Abend gehen werdet. Und zwar, bis die Sonne morgens wieder aufgeht.“ Lena jauchzte neben mir begeistert auf, und ich stimmte ebenfalls mit ein, auch wenn ich dabei etwas künstlich klang. Wenn ich mir genug Mühe gab, würde der Spaß bestimmt von ganz allein kommen, redete ich mir ein. | |||||||||
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Veröffentlicht von der Familie & Leben-Redaktion
am 30/03/2010
Inhaltsverzeichnis
Leseprobe: "Schattenschwingen" von Tanja Heitmann
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